Flingerns erstes Buch

Flingern - Kiez, Kunst & Kultur (Droste Verlag)

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Düsseldorfs letzte Hexe lebt in Flingern

Düsseldorfs letzte Hexe lebt in FlingernKönigsallee 16.00 Uhr. Da ist sie wieder Düsseldorfs Hexe, Angela Spook. Ganz in Schwarz mit Hexenhut, Besen und einem Raben auf der Schulter steht sie oder dreht sich vor einem neugierig staunenden Publikum. Ihr Gesicht mit unbewegtem Gesichtsausdruck. Sie scheint so nah und doch so fern. Nicht jeder bleibt stehen, auch wenn sie die Blicke aller Passanten auf sich zieht. Wer ist sie, eine der letzten Gaukler auf Düsseldorfs Straßen? Die wenigsten kennen ihren bürgerlichen Namen Angelika Tampier. In Flingern wohnt sie auf einem Hinterhof an der Ackerstraße 191. Als sie sich 1999 der Zen Meditation zuwandte, entschied sie sich auch für ein minimalistisches Leben. Ihre Freunde und Verwandte hielten ihre damalige Entscheidung für eine fixe Idee, für ein Experiment, das sehr schnell von der Realität eingeholt würde. Keiner konnte sich damals vorstellen, dass ihre Entscheidung bis heute ihr Leben in allen Bereichen bestimmt.

Als Straßenkommödiant schlüpfte sie zuerst in die Rolle des Clowns, der dreiminütige Texte vortrug. „In unserer schnelllebigen Zeit ein viel zu langer Vortrag.“, erzählt Angela Spook, „Die Menschen bleiben eine Minute stehen, dann ist ihre Aufmerksamkeit schon wieder auf Anderes gerichtet.“ Zur Hexe kam sie ganz zufällig. In den Auslagen eines Hutgeschäftes entdeckte sie einen schwarzen Hut, der sie an einen Hexenhut erinnerte. Den schwarzen Mantel schenkte ihr der Vater, der fand, dass seine Tochter einen neuen Mantel brauchte. Schnell war die Idee geboren, von nun an als Hexe aufzutreten. Viele interessante Menschen habe sie während ihrer Auftritte kennengelernt. Vom Fleck weg wurde sie für Auftritte in anderen Städten engagiert. Das dreitätige Mittelalterfest in Wesel hat sie bereichert.

Lothar Kiepsch, der Marktmeister von Schermbeck, hat sie für seine Feste gebucht, auf Kindergeburtstagen und in Kindergärten ist sie aufgetreten. Das Geld, das sie mit ihren Auftritten verdient, reicht für einen bescheidenen Lebensunterhalt im Hier und Jetzt.

Wer sie auf der Ackerstraße besucht, begreift, wie die von ihr gewählte minimalistische Lebensweise aussieht. Hier lebt sie in einem Raum, einer ehemaligen Motorradwerkstatt, ohne Bad und Heizung. Kein Fernsehgerät, kein Telefon, kein Computer. Die Möbel Second Hand. Einziger Luxus eine alte Schreibmaschine. Gummimatten, dicke Teppiche zur Isolation und an manchen Tagen vier Lagen Kleidung schützen sie im Winter vor der Kälte. „Am schlimmsten ist es für Füße und Hände.“, sagt Spook, „Dann nehme ich Schüsseln mit warmem Wasser und tauche sie zum Aufwärmen hinein.“

Wer mit ihr Kontakt aufnehmen möchte, muss schon persönlich bei ihr vorbeischauen oder eine Nachricht vor ihrer Tür zurücklassen, wenn sie nicht zu Hause ist. Jeden Morgen steht sie um drei Uhr auf und beginnt den Tag mit Lesen. Lesen ist für sie ebenfalls eine Form der Meditation. Konzentration auf einen Text. Die Emotionen, die dabei entstehen, müssen gelenkt, verarbeitet und auf einen Punkt im Körper konzentriert werden. Abends um 23 Uhr ist Feierabend. Sechs Stunden am Tag meditiert sie. Drei Stunden während ihrer Auftritte auf der Kö, drei Stunden zwischen 18 und 21 Uhr. Dann ist sie für Besucher und Gäste nicht zu sprechen. Die letzte Stufe der Vollendung möchte sie erreichen. Einen Zustand, in dem ihr Sein nur noch positive Auswirkungen auf ihre Umwelt hat. Durch Höhen und Tiefen ist sie gegangen.

Düsseldorfs letzte Hexe lebt in Flingern„In der Meditation erfährt man, wie eng Geist und Körper miteinander verbunden sind. Wie eine neue Bewusstseinsebene durch körperlichen Schmerz und Symptomen hindurch erreicht wird.“, erklärt sie. Aber alle Körpersensationen verschwinden genauso plötzlich wie sie gekommen sind. Von ihrem einmal eingeschlagenen Weg kann sie nichts abbringen. Die Figur der Hexe und ihre Lebensführung sind eins geworden. Zen Meditation steht in keinem Widerspruch dazu. Wenn man Angela Spook begegnet, fühlt man sich an „Die Nebel von Avalon“ erinnert mit seinen letzten Priesterinnen und Hexen als Gegenentwurf zu einer patriachaisch kontrollierten Welt. Neben ihren Meditationsübungen und Auftritten als Hexe schreibt sie Drehbücher und widmet sich wieder dem Malen. Sie ist Autodidaktin, hat verschiedene Kurse bei Meisterschülerinnen der Düsseldorfer Kunstakademie belegt. Seit Dezember 2007 gehört sie zur neu gegründeten Künstlergruppe FlinArt, einer Gruppe von 15 Künstlern, die ihre Werke in einer Sommer-und Winterausstellung in Räumen an der Icklack präsentieren. „Wer eine andere als die heute praktizierte Lebensform wählt oder seine Prioritäten anders setzt, gilt schnell als verdächtig, ja sogar als verrückt. Gegen den Strom schwimmen kostet viel Kraft, bedeutet aber auch viele neue, andere Erfahrungen“, sagt Düsseldorfs Hexe zum Abschluss unserer Begegnung.

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