Die Bronx vor Flingern
Stetig bergab verläuft die Ackerstraße von der Elisabeth Kirche zum Worringer Platz. Lebhaft geht es auf diesem Teil der Straße zu, auf dem die Tram mit lautem Gebimmel ihre Spur zieht und sich die Autos stadteinwärts oder flingern -aufwärts zwischen Bahn und parkenden Autos hindurch-schlängeln. Multikulti geht es auf den Bürgersteigen zu. Araber, Afrikaner und Europäer aus aller Herren Länder geben sich hier ein Stelldichein und laufen schnatternd zu zweit oder in Gruppen über den Bürgersteig. Multikulti auch die Läden und Restaurants, die zum Teil noch hinter Geschäftsfassaden liegen, die aus den 60ger Jahren stammen. Asia food Läden liegen in trauter Eintracht zwischen African hairdresser, italienischer Trattoria, Chinarestaurants, Telefonläden, Coffeeshops, Computerstores und Deichmann auf der einen Seite. Wer es nicht weiß, wird achtlos an einer Düsseldorfer Institution vorbeilaufen, die von so manchem Modedesigner angelaufen wird. Auf diesem Teil der Ackerstraße hat Plissee Klein seit Jahrzehnten seine Werkstatt. Hier werden Stoffe bestickt, Stoffe gefältelt in sogenannte Plisseefalten, Knopflöcher gefasst, Etikette bedruckt. Auf der anderen Seite liegen Galerien, haben Modedesigner und Kunsthandwerker ihre Ateliers.
Direkt hinter der Eisenbahnbrücke auf der Ackerstraße 39 liegt der Showroom von Tina Miyake. Das Schild „Drogerie“ über den Schaufenstern zeugt noch von Vorgängern aus den frühen Sechzigern. Ihr Stil feminin, weiche, fließende Silhouetten mit fernöstlichen Elementen. Die Stoffe gewebt oder gestrickt umschmeicheln comfortable den Körper. Ihr Showroom ist gleichzeitig ein Ausstellungsraum für wechselnde Künstler. Ein paar Schaufenster weiter ist Vivian Hackbarth zu Hause. Die Designerin ist für ihre Kreationen schon mehrfach ausgezeichnet worden. Ihr Stil unverwechselbar Hackbarth: Ihre unifarbenen Kleider, Mäntel, Jacken gleichen Gewändern, puristisch klar, streng im Schnitt umfließen sie den Körper.
Auf der Ackerstraße 23 bietet Susanne Sellger handgefertigte Töpferware an. Die Kunsthandwerkerin hat sich zur Zeit den Elfenschlössern verschrieben, kleine bemalte Türme mit Zwiebelkuppeln, die auf langen Stangen thronen und als Gartendekoration für ein liebevolles, verspieltes Flair sorgen. Aber sie malt auch Bilder, gibt Kleinmöbeln bunt bemalt ein lustiges Farbenkleid, bietet Töpferkurse für Groß und Klein an.
Die Galerie Burkhard Eikelmann liegt nur ein paar Eingänge weiter auf der Ackerstraße 13. Die riesige Fensterfront der neu gestalteten Fassade gewährt Einblicke in die lichtdurchfluteten Galerieräume. Die Galerie steht für Contemporary Art, Pop Art und Klassik und bietet das ganze Jahr über spannende Ausstellungen. Im April und Mai werden Werke von David Dalla Venezia ausgestellt.
Aber es ist nicht nur das spannungsreiche Nebeneinander der Geschäfte, der diesem Teil der Ackerstraße seinen besonderen Reiz gibt, es gilt auch die Hinterhöfe hier zu entdecken, auf denen sich Fotografen, Architekten, Künstler und Malstudios niedergelassen haben.
Wer sich mit Kung-Fu und Tai-Chi entspannen, mit Chun-Shin sein inneres Gleichgewicht wiederfinden oder pure Energie und Rhythmus mit Taiko, der Kunst des japanischen Trommelns, tanken möchte, findet im Hinterhof der Ackerstraße 19 die Dragon School Düsseldorf mit ihren Angeboten und Kursen.
Zugegeben, der westliche Teil der Ackerstraße zwischen Elisabeth Kirche und Worringern Platz gehört streng genommen nicht mehr zu Flingern, aber es lohnt sich, ihn in Augenschein zu nehmen: sehr speziell, sehr dynamisch, sehr spannungsreich, sehr kreativ. Eben wie die Bronx in New York, aus der so bekannte Persönlichkeiten wie Billy Joel, Jennifer Lopez, Calvin Klein, Ralph Lauren, Al Pacino, die Boy Group Aventura, Denzel Washington, Colin Powell stammen.
Und nicht gleich beim Namen Bronx an Kriminalität denken. Die gibt es im New Yorker Stadtteil mittlerweile genauso wenig wie in anderen New Yorker Stadtteilen und die tritt auf diesem Teil der Ackerstraße genauso wenig wie auf anderen Teilen dieser Straße. Und sollten Sie mal an einer Gruppe junger Männer vorbeikommen und plötzlich folgt ihnen einer wie ein Schatten: Entspannt bleiben. Einfach unterhaken und fragen, ob man nicht untergehakt miteinander weitergehen soll, wenn man schon so dicht beieinander geht. Dann löst sich die Situation mit einem Gelächter und besten Wünschen für den Tag oder den Abend auf. Sie sind halt verspielt, die Menschen auf diesem Straßenabschnitt.
Ach, bevor ich’s vergesse. In der Bronx in New York steht das Heinrich-Heine-Denkmal, das zum 100. Geburtstag von Heine 1897 in Düsseldorf aufgestellt werden sollte, aber durch eine antisemitische und nationalistische Agitation im Deutschen Reich verhindert wurde. Es wurde am 8. Juli 1899 im New Yorker Stadtteil Bronx enthüllt und steht seitdem am südlichen Ende des Joyce Kilmer Parks.




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vor 1 Jahr 18 Wochen