Joachim Wagner -Kinderspielhaus Düsseldorf Flingern
55 Jahre Wagner, 30 Jahre Kinderspielhaus Düsseldorf Flingern
Altersweisheit, eine gewisse Abgeklärtheit dem Leben gegenüber findet man nicht, wenn man Joachim Wagner begegnet. 55 Jahre wird er im September und immer noch ist er neugierig und aufgeschlossen gegenüber dem Leben und den Menschen, voller Lebensdurst und Tatendrang, überbordend an Ideen und, was er selbst als sein größtes Manko erklärt, voller Ungeduld, wenn es darum geht, sie zu verwirklichen.
Künstler ist er und ein bekannter dazu. In über 200 Ausstellungen auf fast allen Kontinenten sind seine Arbeiten ausgestellt und verkauft worden. Gleich sechs Professoren der Düsseldorfer Kunstakademie, Beuys, Richter, Geiger, Rissa, Hoehme und Hüppi, haben sich für ihn ausgesprochen. Auch etwas, was nicht jeder Student für sich verbuchen konnte. Und dass er an die Kunstakademie wollte, stand für ihn schon mit 17 fest. Es war die damalige Atmosphäre dort, die ihn faszinierte und so gefangen nahm, dass er täglich von morgens bis abends in den Kunstsälen zu finden war. Meisterschüler von Professor Geiger wurde er und für besondere Leistungen konnte er 1976 den Kunstpreis der Akademie einheimsen.
Kunst und Lebensraum sind für den Maler untrennbar miteinander verbunden. Wagner verwendet eigene Fotos, Werbevorlagen, gefundenes Material als Malgrund um sie individuell zu gestalten und zu verarbeiten. Ihn interessieren Kombinationen mit bewusst gelenkten Arbeitsschritten im künstlerischen Prozess. Die für Wagners Bildbegriff kennzeichnende gleichrangige Verwendung unterschiedlichster Materialien, Techniken und Medien wurden auch in den Ausstellungen in Tokyo, Singapur, New York oder Moskau ersichtlich. Seine Arbeiten können keinen bestimmten Kunststil zugeordnet werden und werden in der Kunstwelt doch immer wieder als „ein Wagner“ erkannt und gehandelt.
Für den Künstler ist eine stets neue Auseinandersetzung die Antriebskraft seiner Kreativität. Sind seine neuesten Arbeiten auch ruhiger und ausgewogener geworden, beinhalten sie jedoch alle einen hohen Spannungsgrad. „Kunst treibt mich voran“ sagt Wagner und wenn er eine Arbeit abgeschlossen hat, stürzt er sich in ein neues Wagnis, in ein neues Projekt. Jede aktuelle Arbeit ist seine stärkste Arbeit in der Kraftfelder erzeugt werden. Für den jetzt 55 Jährigen geht es nicht ohne Kunst, er kann nicht anders und die Kunstwelt gibt ihm recht. Offizielle Leihgaben hängen in Düsseldorf im Rathaus am Marktplatz, im „Rathaus Flingern- Düsselthal“ und im neuen Bürgersaal der Düsseldorfer Arcaden. Wagner redet nicht viel und gerne über seine Arbeiten, seine Arbeiten reden für sich- und nicht nur in den Düsseldorfer Galerien, Kunstinstituten und Museen sind sie immer wieder zu entdecken. Aber ein Leben nur zwischen Atelier und Galerien, das konnte sich Wagner auch nicht vorstellen. Malen, fotografieren, auch filmen und immer wieder malen, ja. Aber die Bodenhaftung wollte er auch nicht verlieren. So gehörte Wagner mit zu denen der ersten Stunde, als das Kinderspielhaus, eine Kinderfreizeiteinrichtung des Jugendamtes der Landeshauptstadt Düsseldorf, auf der Dorotheenstraße in Flingern 1979 eingeweiht wurde.
In den siebziger Jahrens gab es zu wenig Spielfläche in Flingern. Ein überdachter Spielplatz sollte her nach Vorbildern in Dänemark und Schweden. Dort wurden ehemalige Industriehallen zu ebener Erde mit Sand gefüllt und mit Spielgeräten bestückt. Eine tolle Idee, aber für Flingern nicht realisierbar. Was tun? Das ehemalige Pestalozzi Gemeindehaus auf der Dorotheenstraße in Flingern geriet in den Focus. Es bot einen großen Saal, in dem zwar kein Sand aufgeschüttet, aber Spielgeräte aufgestellt werden konnte. Die Verhandlungen führten zum Erfolg und das Kinderspielhaus in Flingern wurde 1979 mit 2000qm Innenfläche und 900qm Außenfläche für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren zur größten Kinderfreizeiteinrichtung Deutschlands. Anfangs wurde nur gespielt und getobt, das Haus als Spielplatz genutzt. Aber das war Wagner zu wenig, der 1980 Leiter des Hauses wurde.
Und getreu dem Motto „Was mir gut tut, kann anderen nicht schaden“ schuf er für Kinder ein Umfeld, in dem Kunst zum Alltag gehört und Kreativität und gestalterische Fähigkeiten gefördert und geübt werden. Die Galerie im Kinderspielhaus wurde eingerichtet und Werkräume und Workshops.
Für die Galerie im Kinderspielhaus als Ausstellungsraum haben sich „massenhaft Künstler beworben“ und neben bekannten Größen wie Christo, Jean Claude, Beuys, Uecker und Penck haben hier hunderte von Kunstakademiestudenten ihre Werke ausgestellt. Für die Kinder waren und sind diese Kunstobjekte alltäglicher Anblick und wie es Kinderart ist, zollen sie ihnen wenig Respekt. So mancher Künstler musste sich mit „den knallharten Reaktionen der Kinder auseinandersetzen“. Aber ohne Einfluss blieben die gezeigten Kunstwerke nicht. Und wenn die Kinder sich mit ihnen auch nicht immer einverstanden erklärten, so begannen sie nun selber Bilder zu malen und ihre Werke den gezeigten gegenüber zu stellen. Für Jocki, wie Joachim Wagner liebevoll von den Kindern genannt wird, eine spannende Beobachtung.
Es wurden Werkräume eingerichtet, in denen getöpfert, geschnitzt, gebastelt werden kann. Einen eigenen großen gesponsorten Computerraum nennt das Kinderspielhaus sein eigen. In workshops für Malerei, Tanz, Theater, Fotografie und Film können Kinder nicht nur ihre gestalterischen Fähigkeiten entdecken und ihrer Kreativität freien Lauf lassen, sondern die realisierten Projekte auch einer Öffentlichkeit vorstellen. Filme aus den Videoworkshops erhielten Preise in Berlin, Unna und Frankfurt.
Und Demokratie ist im Kinderspielhaus nicht nur ein Wort, sondern wird gelebt. Auf Akademierundgängen werden die Künstler ausgesucht, die in der Galerie im Kinderspielhaus ausgestellt werden und der Garten des Spielhauses wurde nach den Wünschen der Kinder von einer Architektengruppe gestaltet.
„Natürlich gibt es bei uns auch Eishockey- und Fußball AGs oder eine Computer AG und eine Hausaufgabenbetreuung“, erzählt Wagner. Seit vier Jahren arbeitet das Kinderspielhaus als Bildungsanbieter auch mit offenen Ganztagsschulen zusammen, entweder an den Schulen selbst oder indem die Kinder ins Kinderspielhaus geholt werden. „Aber der Schwerpunkt ist für uns nach wie vor die kulturelle Bildung. Kunst als selbstverständliches Phänomen in den Alltag junger Menschen zu integrieren ist und bleibt das Hauptanliegen des Projekts Kinderspielhaus Flingern.“
Zum 30jährigen Geburtstag liegt der Schwerpunkt der Ausstellungen in diesem Jahr auf der Fotografie. Berti Kamps, Herribert Börnichen, Harald Deilmann, Ansgar Maria van Treeck und Christoph Honig zeigen ihre Bilder in der Galerie.
Der Künstler Joachim Wagner hat den Ruf, dass er sich auf seinen Ausstellungseröffnungen im In- und Ausland persönlich rar macht. Hier der Geheimtipp: Wer ihn selbst erleben will, sollte einfach mal ins Kinderspielhaus gehen.




Neueste Kommentare
vor 5 Wochen 4 Stunden
vor 1 Jahr 18 Wochen