Flingerns erstes Buch

Flingern - Kiez, Kunst & Kultur (Droste Verlag)

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Flingern

19 Kreative für Flingern

Verfasst von Hanenberg am 19. Mai 2010 - 14:29

Menschen, die sich dem Stadtteil verschrieben haben

Da ist doch mittlerweile bekannt, dass Flingern ein kreatives Viertel ist. Da kennt man dank der großen Events „Flingern at night“ und „Flingern rollt den roten Teppich aus“ in Düsseldorf und über Düsserdorf hinaus die Ateliers, Galerien, Geschäfte und Werkstätten der Designer, Künstler, Kaufleute und Handwerker. Aber die 19 Kreativen, die den Stadtteil lebenswert machen, die kennen die wenigsten. Klar, da taucht der eine oder andere Name in den Düsseldorfer Zeitungen auf. Aber wie heißt es so schön in unserer schnelllebigen Zeit? Aus den Augen aus dem Sinn. Wer sind die 19 Kreativen?

Menschen für Flingern "SPD" "CDU" "FDP" "Linke" "Grüne"

Bekannt sind sie unter dem Begriff „Bezirksvertretung“. Ah, Bezirksvertretung, was ist denn das? Nun, das sind die gewählten Frauen und Männer, die für einen Stadtbezirk zuständig sind. Ach so, Politiker. SPD, CDU, Bündnis 90/die Grünen, FDP, linke Liste Flingern. Ja, Menschen mit einer kreativen Leidenschaft, die Flingern gestalten. Immer einig sind sie sich nicht. Das Ziel der einen ist nicht unbedingt das Ziel der anderen. Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall Aber dafür gibt es demokratische Gepflogenheiten. Mehrheit entscheidet.  Viele Mitglieder der Bezirksvertreter sind in Flingern geboren oder groß geworden oder leben schon Jahrzehnte hier wie Gizela Albes, Hermann Tups, Andrea Pieper. Günter Karen-Jungen wurde in den Wirren des Krieges in einem Bauwagen auf der Flurstraße geboren, hat maßgeblich das Kinderspielhaus in Flingern mitgegründet und bleibt bis heute mit seiner Arbeit in der Bezirksvertretung Flingern treu.

Menschen für Flingern "SPD" "CDU" "FDP" "Linke" "Grüne"

Geld gibt es nicht für ihre Arbeit, aber jeder von ihnen muss bereit sein, neben Familie und Beruf Zeit zu investieren. Circa 20 Stunden im Monat, da ist sich Klaudia Zepuntke sicher. Über zehn Jahre ist sie schon dabei. In Flingern ist sie ebenfalls aufgewachsen. Auch wenn sie nicht mehr in diesem Stadtteil wohnt, fühlt sie sich mit ihm verbunden. Kindheitserinnerungen vergisst man halt nicht. Als Gemeindeschwester der Matheikirche ist sie mit ihrem Fahrrad unterwegs und die Stunden, in denen sie mit Flingeraner Bürger spricht, ihre Probleme und Sorgen anhört, die rechnet sie nicht.
Für Gudrun Großer-Göbel, der Bezirksvorsteherin oder Annelies Böcker und Cornelia Wagner, ihre Stellvertreter,  ist der Zeitaufwand um einiges höher. „Ein Halbtagsjob ist das sicherlich, wenn man seine Arbeit ernst nimmt“, meint Cornelia Wagner. Da muss man sich in die Materie der Anträge einlesen, das Für und Wider abwägen, Gespräche führen, Einladungen von verschiedenen Vereinen annehmen und Veranstaltungen besuchen. Fünf Jahre Arbeit in der Bezirksvertretung sind genug. Die Mutter von zwei Teenagern will nicht länger Familie, Beruf und Arbeit in der Bezirksvertretung miteinander vereinbaren. Etwas kommt immer zu kurz In den fünf Jahren war es die Familie.

Menschen für Flingern "SPD" "CDU" "FDP" "Linke" "Grüne"

Auch für Gudrun Großer-Göbel, Flingerns Bezirksvorsteherin, ist nach dieser Legislaturperiode genug. 30 Jahre Bezirksvertretung, davon 17 als Bezirksvorsteherin müssen reichen. Sie kann stolz auf ihre Arbeit zurückblicken. Mehr Zeit für die Familie und für ihre Hobbys hat jetzt Priorität, denn kreativ ist sie nicht nur in der Bezirksvertretung. Sie malt und kreiert Schmuck.
Ihre Vertreterin, Annelies Böcker, ist seit der Geburtsstunde der Bezirksvertretung 1975 dabei. Eine lange Zeit, aber die Möglichkeit etwas gestalten und erreichen zu können ist ihr Motor. Sie macht weiter. Ausdauer, Leidensfähigkeit, Durchhaltevermögen und Zielorientiertheit sind für sie wichtige Eigenschaften, die sie als Bergsteigerin in den Alpen gelernt und trainiert hat. Auch heute noch gehören Ski fahren, Schnee- und Gletschertouren zu ihren Hobbys. „Wenn man als kleiner Mensch in der gewaltigen Natur steht, wird man bescheiden.“
Ebenfalls ein Urgestein und von Anfang an dabei ist Hans Zodrow, der als Schiedsmann in Flingern so manche Streitigkeit ohne Gericht beilegen konnte. Er zieht sich aus der aktiven Politik zurück.
Als Jürgen Hülsmann in den 80er Jahren, zur Zeit als es auf der Kiefernstraße noch hoch her ging, entdeckte, dass man als Bürger mit Gleichgesinnten und viel Engagement und Durchhaltevermögen seine Interessen durchsetzen kann, hatte er „Blut geleckt“. Seit 1999 ist er in der Bezirksvertretung und hat so manches Mal den zeitlichen Rahmen der Versammlung mit seinen Anträgen und bohrenden Nachfragen um den Stand bereits eingebrachter Anträge gesprengt. Er  gibt noch viel zu tun. An Aufhören denkt er nicht.

Menschen für Flingern "SPD" "CDU" "FDP" "Linke" "Grüne" Menschen für Flingern "SPD" "CDU" "FDP" "Linke" "Grüne"

Aber was sind die Mitglieder der Bezirksvertretung ohne die Drei von der Stadtverwaltung: Sylvia Michalk,   Gerhard Aschendorf und Markus Kreikenbaum. Sylvia Michalk organisiert den Büroalltag, tippt Vorlagen, Protokolle, Briefe, beantwortet Telefonanrufe, heißt Besucher willkommen. Markus Kreikenbaum ist der Schriftführer bei den Versammlungen und achtet darauf, dass kein Wort verloren geht. Der Chef vom Ganzen ist Gerhard Aschendorf. Ein Glücksfall. Er ist das Bindeglied zwischen Stadt und Bezirk. Er berät die Mitglieder der Bezirksvertretung Partei übergreifend unparteiisch bei formalen Fragen, den Möglichkeiten ihres Kompetenzbereiches und der Außendarstellung. Er begleitet die Bezirksvorsteherin bei ihren öffentlichen Auftritten. Einen sensiblen Job übt er aus, denn von seiner Arbeit und Person hängt das prima Klima in der Bezirksvertretung ab. Und das brauchen 19 Kreative, um so richtig aus dem Vollem schöpfen zu können.

Echt gefälsch

Verfasst von Hanenberg am 19. Mai 2010 - 13:48

Edgar Mrugalla, der genialste Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts

Antiquariat Patrice DarasNie wieder ein Geschäft. Da war sich Patrice Daras sicher, als er im Juni zusammen mit seiner Geschäftspartnerin das Antiquariat auf der Kaiserstraße in Düsseldorf schloss. Erst im Dezember 2007 hatte er hier einen neuen Standort gefunden, nachdem das Geschäft im Rathauskomplex in der Altstadt aufgegeben werden musste. Die Stadt hatte Eigenbedarf angemeldet. Der neue Standort entsprach nicht den Erwartungen und noch einmal umziehen wollte er nicht. 26 Jahre waren genug. Zumindest glaubte der antiquarische Buchhändler das, als er seinerzeit diesen Entschluss im Brustton der Überzeugung verkündete. Aber wie heißt es so schön? Sag niemals nie. Und das traf auch in diesem Fall zu. Schon im April 2009, zehn Monate später, eröffnete Patrice Daras das Antiquariat Daras auf der Ackerstraße 101.

Und warum dieser Sinneswandel? Nun, da gibt es einen Schwiegervater. Dessen Frau war 2006 gestorben und seitdem lebte er einsam in der 100-Seelen-Gemeinde Fiel im Kreis Dithmarschen. Mittlerweile war er krank geworden und brauchte Hilfe von der Familie. Die holte ihn kurz entschlossen nach Düsseldorf in ihre Nähe. Und mit ihm kamen seine Bilder.
Aber was tun mit den Bildern? Und dann war die Idee geboren, diese Bilder in einer dauerhaften Ausstellung zu zeigen, denn der Schwiegervater ist  Edgar Mrugalla, der wohl berühmteste, erfolgreichste und genialste Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts.  
Als 1987 die Kripo vor seiner Tür stand und von den circa 3000 Fälschungen 1500 konfizierte, da löste Mrugalla den größten Bilderskandal der Nachkriegsgeschichte aus.
Aber warum wird man Bilderfälscher? Klar, Geld spielt immer eine Rolle und Geld spielte auch bei Edgar Mrugalla eine Rolle, aber Antriebsfeder war sein Zorn auf die Kunsthändler, die in den 60er Jahren seine Unwissenheit ausnutzten und ihm echte Gemälde für wenig Geld abkauften, um sie für ein Vielfaches weiter zu verkaufen.

Begonnen hatte alles mit der Gründung einer Entrümplungsfima und der Eröffnung eines Trödelladens in Berlin. Eines Tages fiel ihm bei einer Entrümplung ein Bild in die Hände, das ihm ein Kunsthändler für kleines Geld abkaufte. Später stellte sich heraus, dass es ein echter Caspar David Friedrich war. Klar, da kommt Zorn auf. Zorn auf den Kunsthändler und Zorn auf die eigene Unwissenheit und das sollte nicht länger sein. Mrugalla beschäftigte sich mit Kunst und Künstlern, studierte ihre Werke und Techniken, begann sie zu kopieren und sich zu perfektionieren.
Und jetzt zeigte sich ein Talent, das im Verborgenen geschlummert hatte. Er konnte Bilder eins zu eins kopieren und sich in die Stimmung so einfühlen, dass die Fälschung sich in nichts vom Original unterschied. Eine Kuratorin des Pariser Louvre attestierte ihm „Goldhände“, nachdem dort eine Fälschung entdeckt worden war.

Antiquariat

In der Folgezeit bot er seine Kopien Kunsthändlern an und die kauften ihm die Bilder für kleines Geld ab, ließen sich die Echtheit durch entsprechende Expertisen von Gutachtern attestieren oder fügten die fehlenden Signaturen nachträglich hinzu, denn keine Fälschung wurde von Mrugalla mit dem Namen des kopierten Künstlers signiert. Doch jetzt lag die Täuschung auf beiden Seiten. Auf Seiten der Kunsthändler, die ihm verschwiegen, was sie glaubten zu kaufen und auf Seiten Mrugallas, der wusste, dass es Kopien, seine Kopien waren.

Erst ab 1980 begann er in großen Stil zu kopieren. Er war mittlerweile von Berlin ins Dithmarsche gezogen, zu einer Zeit, als in Berlin noch der erste Prozess gegen in lief. Mrugalla musste sich in diesem Prozess zum ersten Mal gegen den Vorwurf der Kunstfälscherei wehren. 1974 fand er bei einer Entrümpelung 24 farbige Otto Müller Kreidezeichnungen. Er bot sie verschiedenen Kunsthändlern an. Einer von ihnen wurde wegen der hohen Anzahl misstrauisch und erstattete Anzeige. Ironie des Schicksals oder Vorbote des Zukünftigen? Mrugalla blieb dabei, diese Zeichnungen gefunden zu haben. Das Gegenteil konnte ihm nicht nachgewiesen werden und so sprach ihn ein Schöffengericht  nach einem achteinhalb Jahre währenden Prozess vom Vorwurf der Fälscherei frei.

Antiquariat Patrice Daras

In seiner neuen Heimat kopierte er circa 3000 Werke berühmter Künstler, unsigniert zwar aber Auftragsarbeiten, die von Galeristen, Kunsthändlern und Gaunern in Umlauf gebracht wurden und nahm damit billigend in Kauf, was mit seinen Kopien geschehen würde. So stellte es das Gericht in seinem zweiten Prozess fest. In dieser Zeit entstanden aber auch 18000 eigene, echte Mrugalla Werke. Es war seine ungeheure Produktivität, die ihm 1987 die Kripo vor der Haustür bescherte. Zu viele Picassos überschwemmten plötzlich in den 80ern den Markt und eine derartige Schwemme machte aufmerksam und misstrauisch. Der folgende Prozess endet glimpflich. Zwei Jahre auf Bewährung. Das milde Urteil wurde damit begründet, dass Edgar Mrugalla sich kooperativ bei der Aufdeckung gezeigt und niemals versucht habe, seine Kopien als echt zu verkaufen.
Millionen Euro sollen seine Fälschungen eingebracht haben. Millionen, die andere verdient haben. Noch heute sind circa 1000 Kopien im Umlauf, hängen in großen Museen dieser Welt. In manchen Museen hat er Hausverbot, denn immer, wenn er eine seiner Kopien entdeckte, machte er darauf aufmerksam. Aber wer will schon wissen, dass er einer Fälschung aufgesessen ist. Immerhin ist viel Geld geflossen und der Ruf eines Kunstsachverständigen steht auch auf dem Spiel. Dann schon lieber eine Fälschung besitzen und sie für echt halten. Die Vorstellung allein ist entscheidend, nicht die Wahrheit. Dabei ist es gar nicht ehrenrüchig, ein von Mrugalla gefälschtes Bild zu besitzen. Da stimmte alles, von der Technik, über den Ausdruck bis hin zur Leinwand, dem Papier und den Farben. Und das wirft die Frage auf, wie viel ist Kunst wert und wann ist sie etwas wert. Die Kopien von Mrugalla zumindest waren den Originalen ebenbürtig. Nach dem Prozess folgten Ausstellungen seiner Werke in ganz Europa.
Heute sind die „falschen“ und die echten Bilder von Edgar Mrugalla in wechselnder Ausstellung im Antiquariat Daras auf der Ackerstraße 101 zu sehen und zu erwerben. Neue kommen nicht mehr nach. Wer weiß, vielleicht ist ein echter Mrugalla einst so viel wert wie seine nachempfundenen Vorbilder.

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FlingernMagazin No.3

Verfasst von Hanenberg am 20. April 2010 - 20:03

FlingernMagazin Nr. 3

 

Möbelparadies Flingern

Möbelhäuser gibt es wie Sand am Meer, große, kleine, mit Möbeln „von der Stange“, mit Antiquitäten, mit Designermöbeln, klassischen und neuen. Braucht Flingern das auch noch? Nein, braucht Flingern nicht, hat es auch nicht. Stattdessen sind Werkstätten und Läden neu hinzugekommen, die handgefertigte Einzelstücke anbieten oder Möbel nach individuellen Kundenwünschen bauen. Möbel für Große, Möbel für Kleine, puristische Möbel, Möbel, die an Strand und Meer erinnern, Möbel nach alten, bewährten Vorbildern. Mehr...

„Ich male, um meine Eindrücke noch einmal von außen betrachten zu können.“

Geboren in Dresden, jetzt wohnhaft in Düsseldorf seit November 2005 mit Atelier auf der Hermannstraße 22 A. Und was liegt dazwischen? Dazwischen liegen ein Studium der Porzellanmalerei in der sächsischen Porzellanmanufaktur Dresden und der Meissener Porzellanmanufaktur, ein Designstudium in der Künstlerwerkstatt München, Studienreisen nach Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz, Studium der Techniken der Portraitmalerei bei Senor Alejandro E. Morino in Barcelona und Jahre als freischaffende Künstlerin in Spanien. Mehr...

Afrika – ein paar Buchseiten von Flingern entfernt

Löwen, Giraffen, Nashörner, Antilopen, Krokodile, an die exotische Tierwelt dieses Kontinents denken Kinder, wenn sie den Namen Afrika hören. An Völkermorde, korrupte, gewalttätige Diktatoren, Hungersnöte, Hitze und Trockenheit die meisten Erwachsenen und natürlich an Urlaube in Kenia, Ägypten, Südafrika, Tunesien, Marokko. Aber an ein Leben mit Sorgen und Freuden, wie es sich alltäglich überall auf der Welt abspielt, daran denkt keiner. Und dass ein Hund  eine wichtige Rolle spielt, scheint eher abwegig. Genau davon aber handelt das Buch „Mamady und Fidel“, eine Bildergeschichte für Kinder von Klaus E. Neelen, einem Flingeraner Grafiker. Mehr...

Echt gefälscht – Edgar Mrugalla, der genialste Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts

Nie wieder ein Geschäft. Da war sich Patrice Daras sicher, als er im Juni zusammen mit seiner Geschäftspartnerin das Antiquariat auf der Kaiserstraße in Düsseldorf schloss. Erst im Dezember 2007 hatte er hier einen neuen Standort gefunden, nachdem das Geschäft im Rathauskomplex in der Altstadt aufgegeben werden musste. Die Stadt hatte Eigenbedarf angemeldet. Der neue Standort entsprach nicht den Erwartungen und noch einmal umziehen wollte er nicht. 26 Jahre waren genug. Mehr...

Menschen, die sich dem Stadtteil verschrieben haben (19 Kreative für Flingern)

Da ist doch mittlerweile bekannt, dass Flingern ein kreatives Viertel ist. Da kennt man dank der großen Events „Flingern at night“ und „Flingern rollt den roten Teppich aus“ in Düsseldorf und über Düsserdorf hinaus die Ateliers, Galerien, Geschäfte und Werkstätten der Designer, Künstler, Kaufleute und Handwerker. Aber die 19 Kreativen, die den Stadtteil lebenswert machen, die kennen die wenigsten. Klar, da taucht der eine oder andere Name in den Düsseldorfer Zeitungen auf. Aber wie heißt es so schön in unserer schnelllebigen Zeit? Aus den Augen aus dem Sinn. Wer sind die 19 Kreativen? Mehr...

Galerie

Verfasst von Hanenberg am 12. März 2010 - 23:06

Flingern Impressionen


Auf den Spuren der Geschichte wandeln

Verfasst von Hanenberg am 12. März 2010 - 21:18


Pastfinder Düsseldorf Flingern - ReiseführerEin Reiseführer der besonderen Art ist der Pastfinder Düsseldorf im schlanken 12 x 22 cm Format. Wer mit ihm auf Stadterkundung geht, bewegt sich auf den Spuren der Vergangenheit. Maik Kopleck, der Herausgeber dieser Serie, konnte für die Düsseldorfer Ausgabe den Flingeraner Autor und Regisseur Alexander Scherer gewinnen, der in den 70er Jahren Autor des Düsseldorfer Stadtführers „Düsseldorf live in der Tasche“ war.


Auf 169 Seiten stellt Scherer die Altstadt, die längste Theke der Welt, die Innenstadt, die Ausstellungsstadt, Außenbezirke, das Bergische Dreieck, das Umland und den Niederrhein mit  ihrer wechselvollen Geschichte vor. Schwerpunkt in allen Kapiteln ist die Zeit des Nationalsozialismus und seine Auswirkungen. Der Leser lernt Bauten und Plätze kennen, die es manchmal heute so nicht mehr gibt. Im Kapitel „Die Längste Theke der Welt“ erfährt er die Historie Düsseldorfer Kneipeninstitutionen wie z.B. die des Kreuzherrenecks oder des Ratinger Hofes, lernt die Bedeutung der Ratinger Straße in früheren Jahrhunderten kennen. Das Kapitel „Ausstellungsstadt“ ruft Erinnerungen  an die großen Düsseldorfer Ausstellungen wach, mit denen sich die Stadt in die Geschichte eingeschrieben hat, erinnert an Gesolei und Ehrenhof.
Dem Bergischen Dreieck zwischen Remscheid, Solingen und Wuppertal und dem Umland der Landeshauptstadt zwischen Düsseldorf, Krefeld und Kleve sind 42 Seiten gewidmet und bietet eine Fülle von Ausflugsvorschlägen.


Der Stadtführer ist übersichtlich aufgebaut. Jedes Kapitel hat seinen eigenen farbigen Querbalken, der sich über die jeweiligen Seiten zieht. Jedem Kapitel steht eine Übersichtskarte voran, in der mit farbigen Nummern die besprochenen Sehenswürdigkeiten markiert sind. Die Seiten  sind mit Fotos aus vergangenen Zeiten, Plakaten von Ausstellungen und Portraits bekannter Düsseldorfer Persönlichkeiten reich bebildert.
Wer Düsseldorfs Vergangenheit mit einer Stadterkundung kennenlernen möchte, ob als Tourist, Zugereister oder Alteingessener, für den ist der Stadt- und Reiseführer  Pastfinder Düsseldorf ein Muss.

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Verfasst von Hanenberg am 21. Februar 2010 - 15:41

Whats´s up in Flingern! FlingernMagazin!

Zwei Mal im Jahr erscheint das Magazin, in dem sich alles um Flingern dreht. Das Besondere: Es wird von dem jeweils darin vorgestellten Künstler handsigniert. Ein Novum und sicherlich auch einzigartig unter allen erhältlichen Magazinen, aber nicht der einzige Grund, warum das Booklet gesammelt und mittlerweile auch abonniert wird. Seit 2008 ist es auf dem Markt. Von Anfang an war klar, dass es nicht eins der üblichen Booklets werden sollte, in dem sich Anzeige an Anzeige hängt. Es lebt von seinem redaktionellen Teil mit Portraits, Interviews, Geschichten, Tipps und Neuigkeiten. Blickt man auf die letzten anderthalb Jahre zurück, dann ist „What’s up in Flingern“ auch eine Chronologie, zeugt es doch von dem ständigen Kommen und Gehen und permanenten Wandel im Viertel. So manches Geschäft, das sich in den vergangenen Heften vorgestellt hat, ist heute längst Geschichte. Zu finden ist das Magazin in Flingerns Geschäften, wird aber auch über ganz Düsseldorf verteilt und ist selbst in Köln vertreten.

Magazine

Verfasst von Hanenberg am 14. Februar 2010 - 23:50

Joachim Wagner -Kinderspielhaus Düsseldorf Flingern

Verfasst von Hanenberg am 14. Februar 2010 - 14:17

55 Jahre Wagner, 30 Jahre Kinderspielhaus Düsseldorf Flingern

Altersweisheit, eine gewisse Abgeklärtheit dem Leben gegenüber findet man nicht, wenn man Joachim Wagner begegnet. 55 Jahre wird er im September und immer noch ist er neugierig und aufgeschlossen gegenüber dem Leben und den Menschen, voller Lebensdurst und Tatendrang, überbordend an Ideen und, was er selbst als sein größtes Manko erklärt, voller Ungeduld, wenn es darum geht, sie zu verwirklichen.

Joachim WagnerKünstler ist er und ein bekannter dazu. In über 200 Ausstellungen auf fast allen Kontinenten sind seine Arbeiten ausgestellt und verkauft worden. Gleich sechs Professoren der Düsseldorfer Kunstakademie, Beuys, Richter, Geiger, Rissa, Hoehme und Hüppi, haben sich für ihn ausgesprochen. Auch etwas, was nicht jeder Student für sich verbuchen konnte. Und dass er an die Kunstakademie wollte, stand für ihn schon mit 17 fest. Es war die damalige Atmosphäre dort, die ihn faszinierte und so gefangen nahm, dass er täglich von morgens bis abends in den Kunstsälen zu finden war. Meisterschüler von Professor Geiger wurde er und für besondere Leistungen konnte er 1976 den Kunstpreis der Akademie einheimsen.

Kunst und Lebensraum sind für den Maler untrennbar miteinander verbunden. Wagner verwendet eigene Fotos, Werbevorlagen, gefundenes Material als Malgrund um sie individuell zu gestalten und zu verarbeiten. Ihn interessieren Kombinationen mit bewusst gelenkten Arbeitsschritten im künstlerischen Prozess. Die für Wagners Bildbegriff kennzeichnende gleichrangige Verwendung unterschiedlichster Materialien, Techniken und Medien wurden auch in den Ausstellungen in Tokyo, Singapur, New York oder Moskau ersichtlich. Seine Arbeiten können keinen bestimmten Kunststil zugeordnet werden und werden in der Kunstwelt doch immer wieder als „ein Wagner“ erkannt und gehandelt.
 

Für den Künstler ist eine stets neue Auseinandersetzung die Antriebskraft seiner Kreativität. Sind seine neuesten Arbeiten auch ruhiger und ausgewogener geworden, beinhalten sie jedoch alle einen hohen Spannungsgrad. „Kunst  treibt mich voran“ sagt Wagner und wenn er eine Arbeit  abgeschlossen hat, stürzt er sich in ein neues Wagnis, in ein neues Projekt. Jede aktuelle Arbeit ist seine stärkste Arbeit in der Kraftfelder erzeugt werden. Für den jetzt 55 Jährigen geht es nicht ohne Kunst, er kann nicht anders und die Kunstwelt gibt ihm recht. Offizielle Leihgaben hängen in Düsseldorf im Rathaus am Marktplatz, im „Rathaus Flingern- Düsselthal“ und im neuen Bürgersaal der Düsseldorfer Arcaden. Wagner redet nicht viel und gerne über seine Arbeiten, seine Arbeiten reden für sich- und nicht nur in den Düsseldorfer Galerien, Kunstinstituten und Museen sind sie immer wieder zu entdecken. Aber ein Leben nur zwischen Atelier und Galerien, das konnte sich Wagner  auch nicht vorstellen. Malen, fotografieren, auch filmen und immer wieder malen, ja. Aber die Bodenhaftung wollte er auch nicht verlieren. So gehörte Wagner mit zu denen der ersten Stunde, als das Kinderspielhaus, eine Kinderfreizeiteinrichtung des Jugendamtes der Landeshauptstadt Düsseldorf, auf der Dorotheenstraße in Flingern 1979 eingeweiht wurde.

In den siebziger Jahrens gab es zu wenig Spielfläche in Flingern. Ein überdachter Spielplatz sollte her nach Vorbildern in Dänemark und Schweden. Dort wurden ehemalige Industriehallen zu ebener Erde mit Sand gefüllt und mit Spielgeräten bestückt. Eine tolle Idee, aber für Flingern nicht realisierbar. Was tun? Das ehemalige Pestalozzi Gemeindehaus auf der Dorotheenstraße in Flingern geriet in den Focus. Es bot einen großen Saal, in dem zwar kein Sand aufgeschüttet, aber Spielgeräte aufgestellt werden konnte. Die Verhandlungen führten zum Erfolg  und das Kinderspielhaus in Flingern wurde 1979 mit 2000qm Innenfläche und 900qm Außenfläche für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren zur größten Kinderfreizeiteinrichtung Deutschlands. Anfangs wurde nur gespielt und getobt, das Haus als Spielplatz genutzt. Aber das war Wagner zu wenig, der 1980 Leiter des Hauses wurde.

Und getreu dem Motto „Was mir gut tut, kann anderen nicht schaden“ schuf er für Kinder ein Umfeld, in dem Kunst zum Alltag gehört und Kreativität und gestalterische Fähigkeiten gefördert und geübt werden. Die Galerie im Kinderspielhaus wurde eingerichtet und Werkräume und Workshops.

KinderspielhausFür die Galerie im Kinderspielhaus als Ausstellungsraum haben sich „massenhaft Künstler beworben“ und neben bekannten Größen wie Christo, Jean Claude, Beuys, Uecker und Penck haben hier hunderte von Kunstakademiestudenten ihre Werke ausgestellt.  Für die Kinder waren und sind diese Kunstobjekte alltäglicher Anblick und wie es Kinderart ist, zollen sie ihnen wenig Respekt. So mancher Künstler musste sich mit „den knallharten Reaktionen der Kinder auseinandersetzen“. Aber ohne Einfluss blieben die gezeigten Kunstwerke nicht. Und wenn die Kinder sich mit ihnen auch nicht immer einverstanden erklärten, so begannen sie nun selber Bilder zu malen und ihre Werke den gezeigten gegenüber zu stellen. Für Jocki, wie Joachim Wagner liebevoll von den Kindern genannt wird, eine spannende Beobachtung.

Es wurden Werkräume eingerichtet, in denen getöpfert, geschnitzt, gebastelt werden kann. Einen eigenen großen gesponsorten Computerraum nennt das Kinderspielhaus sein eigen. In workshops für Malerei, Tanz, Theater, Fotografie und Film können Kinder nicht nur ihre gestalterischen Fähigkeiten entdecken und ihrer Kreativität freien Lauf lassen, sondern die realisierten Projekte auch einer Öffentlichkeit vorstellen. Filme aus den Videoworkshops erhielten Preise in Berlin, Unna und Frankfurt.

Und Demokratie ist im Kinderspielhaus nicht nur ein Wort, sondern wird gelebt. Auf Akademierundgängen werden die Künstler ausgesucht, die in der Galerie im Kinderspielhaus ausgestellt werden und der Garten des Spielhauses wurde nach den Wünschen der Kinder von einer Architektengruppe gestaltet.

„Natürlich gibt es bei uns auch Eishockey- und Fußball AGs oder eine Computer AG und eine Hausaufgabenbetreuung“, erzählt Wagner.  Seit vier Jahren arbeitet das Kinderspielhaus als Bildungsanbieter auch mit offenen Ganztagsschulen zusammen, entweder an den Schulen selbst oder indem die Kinder ins Kinderspielhaus geholt werden. „Aber der Schwerpunkt ist für uns nach wie vor die kulturelle Bildung. Kunst als selbstverständliches Phänomen in den Alltag junger Menschen zu integrieren ist und bleibt das Hauptanliegen des Projekts Kinderspielhaus Flingern.“

Zum 30jährigen Geburtstag liegt der Schwerpunkt der Ausstellungen in diesem Jahr auf der Fotografie. Berti Kamps, Herribert Börnichen, Harald Deilmann, Ansgar Maria van Treeck und Christoph Honig zeigen ihre Bilder in der Galerie.

Der Künstler Joachim Wagner hat den Ruf, dass er sich auf seinen Ausstellungseröffnungen im In- und Ausland persönlich rar macht. Hier der Geheimtipp: Wer ihn selbst erleben will, sollte einfach mal ins Kinderspielhaus gehen.

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FlingernMagazin No.2

Verfasst von Hanenberg am 11. Februar 2010 - 21:07


Die Bronx vor Flingern

Stetig bergab verläuft die Ackerstraße von der Elisabeth Kirche zum Worringer Platz. Lebhaft geht es auf diesem Teil der Straße zu, auf dem die Tram mit lautem Gebimmel ihre Spur zieht und sich die Autos stadteinwärts oder flingernaufwärts  zwischen Bahn und parkenden Autos hindurchschlängeln. Mehr...

Mode Frühling Flingern

Was bringt der Modefrühling Neues in diesem Jahr. Auf den großen Schauen wird der wagemutigen Weiblichkeit gehuldigt mit viel Transparenz, leichten Stoffen, viel Glitzer, wehenden Silhouetten oder hautnahen Schnitten. Mehr...

Auf den Spuren der Geschichte wandeln

Ein Reiseführer der besonderen Art ist der Pastfinder Düsseldorf im schlanken 12 x 22 cm Format. Mehr...

Scherer über Scherer

Alexander Scherer lebt seit 40 Jahren in Flingern. Als Bühnen- und Kostümbildner war und ist er in vielen Kino- und Fernsehproduktionen tätig. Er dreht Filme und schreibt Bücher. Mehr...

Ich sprenge alle Ketten und sage Nein, nein, nein, nein , Nein.

Dunkle Lockenmähne, Glutaugen und eine Reibeisenstimme, die die Teenies der späten 60ger und frühen 70ger dahin schmelzen ließ. Mehr...

Schönheit, die bezahlbar bleibt

Wer ein Buch aus der Eremiten Presse sein eigen nennt, der merkt sehr schnell, dass sinnliches Erfahren an erster Stelle steht. „Begreifen“, Blättern, Streicheln, Betrachten, das sind die Impulse, die man verspürt, wenn man ein Buch aus diesem Verlag in Händen hält. Es zu lesen kommt an zweiter Stelle, was nichts über die Qualität des Textes sagt, ganz im Gegenteil. Das Buch als Gesamtkunstwerk, ein bibliophiles Sammlerstück, dafür steht die Eremiten Presse. Mehr...

Über Kunst sich selbst entdecken

Joachim Wagner wurde1954 in Stade bei Hamburg geboren. Er lebt seit seiner Kindheit in Düsseldorf, seit 25 Jahren in Flingern. Er studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. R. Geiger und Prof. G. Graubner, war Meisterschüler von Prof. Geiger und erhielt 1976 den Kunstpreis der Akademie. Seine Arbeiten wurden in über 200 Ausstellungen rund um die Welt gezeigt. Joachim Wagner ist verheiratet und hat drei Kinder. Mehr...

55 Jahre Wagner, 30 Jahre Kinderspielhaus Düsseldorf Flingern

Altersweisheit, eine gewisse Abgeklärtheit dem Leben gegenüber findet man nicht, wenn man Joachim Wagner begegnet. 55 Jahre wird er im September und immer noch ist er neugierig und aufgeschlossen gegenüber dem Leben und den Menschen, voller Lebensdurst und Tatendrang, überbordend an Ideen und, was er selbst als sein größtes Manko erklärt, voller Ungeduld, wenn es darum geht, sie zu verwirklichen. Mehr...

Aus Flingern nach Nordfriesland

Da fährt Bauer Ingwer Fedderson die Ernte seines Maisfeldes ein, als plötzlich seine Mähmaschine zum Stillstand kommt. Eine Leiche hat sich in den scharfen Messern des Häckslers verfangen. Irgendjemand hat Kalli Carstensen hier abgelegt, denn dass er nicht bei der Maisernte sondern durch einen Autounfall zu Tode gekommen ist, steht schnell fest. Mehr...

Adolphs, ein Synonym traditioneller Buchbindekunst

Verfasst von Hanenberg am 5. Februar 2010 - 14:24

Adolphs BuchbindekunstGeht man von der Birkenstraße aus über den idyllischen Teil der Hermannstraße zwischen Linden- und Ackerstraße, so sieht man schräg gegenüber dem Haus mit den Arkaden das kleine aber feine Geschäft „blattgold“, das in einer Werkstattgemeinschaft von der Goldschmiedin Beyermann und dem Buchbinder Adolphs betrieben wird. Die Eingangstür zwischen den beiden geschmackvoll dekorierten Schaufenstern trennt das Geschäft in zwei imaginäre Bereiche. Rechts der Tür stehen der Arbeitsplatz und die Schmuckvitrinen der Goldschmiedin, links der Tür liegt der Arbeitsbereich des Buchbinders. In der Mitte zwischen beiden Bereichen steht ein Regal voller papierener Kunstwerke traditioneller Buchbinderkunst und Schreibutensilien wie Federn, Tinte, Siegellack und Stempel, die an vergangene Zeiten erinnern.

Seit 20 Jahren hat Buchbinder Adolphs seinen Betrieb nun schon in Flingern. Anfangs in den Räumen neben dem jetzigen Geschäft, seit 1997 zusammen mit der Goldschmiedin Beyermann in dem heutigen Ladenlokal. Warum er den Beruf des Buchbinders gewählt habe? Nun, damals sah er darin eine Möglichkeit, seine Kreativität in traditioneller Handwerkskunst umsetzen zu können, auch wenn der Alltag eines Buchbinders zu Beginn seiner Tätigkeit mit Serienarbeiten ausgefüllt war wie sie heute nicht mehr üblich sind. „Früher wurden Geschäfts- und Kassenbücher noch mit der Hand geschrieben und die mussten für das Finanzamt gebunden und jede einzelne Blattkante farblich behandelt werden, so dass die einzelnen Blätter, wenn das Buch zusammengeklappt war, ein Marmormuster ergaben. Fehlte eine oder mehrer Seiten, war das Muster gestört, das heißt, nicht mehr vollständig und das Finanzamt konnte daran erkennen, dass Seiten herausgerissen worden waren“, erzählte uns Adolphs.

Firmen ließen Schaukästen aus Kunstleder mit Glasdeckel arbeiten um ihre Produkte auszustellen oder gaben Schreibtischunterlagen in Auftrag. Universitäten ließen ihren Buchbestand katalogisieren und binden oder fassten Zeitschriften in Jahrgangsbüchern zusammen.Die meisten dieser Arbeiten fielen im Zeitalter des Computers der elektronischen Maschine und den Rationalisierungmaßnahmen zum Opfer. Universitäten speichern ihre Buchbestände auf Mikrochips und Geschäfts- und Kassenbücher werden in Computerprogrammen und –ausdrucken festgehalten. Dementsprechend haben sich auch der Kundenkreis und die Auftragsarbeiten verändert und Serienaufträge wurden von Einzelbestellungen abgelöst. So werden heute von Adolphs Diplom- und Doktorarbeiten oder Fachliteraturbände gebunden. Aber es sind vor allen Dingen auch Kunden, die sich bei ihm besondere Wünsche erfüllen lassen, wissen sie doch, dass seiner Kunst kaum Grenzen gesetzt sind. So werden Familienchroniken und –stammbäume abgegeben, um sie in Leder oder Pergament binden zu lassen. Und wenn man die Lederhäute sieht, kann man sich kaum vorstellen, dass sie sich so fein spalten lassen, dass sie einen Buchrücken zieren oder Kanten verstärken oder als Gesamteinband dienen können.

Alte Familienbibeln oder Bücher erhalten einen neuen Einband und Fotografen und Künstler ordern Präsentationsmappen oder Skizzenbücher. Gästebücher in allen Formaten und Einbänden mit Gold- oder Blinddruckprägung bindet er nach den Vorstellungen seiner Kunden und berät sie bei der Wahl des Papiers, denn Papier ist nicht gleich Papier. Zwischen einer grob strukturierten und einer fein strukturierten Oberfläche gibt es noch viele feine Unterschiede. Und was sich für den einen Zweck eignet, ist für den anderen nicht gut zu gebrauchen. Eine Besonderheit sind die Fotoalben von Adolphs, denn er bindet sie mit festeren und dünneren Blättern. Die festeren Blätter für die Fotos, dazwischen ein bis zwei dünnere Blätter für Texte, die die Bilder oder das Ereignis kommentieren. Aber Adolphs bindet nicht nur Auftragsarbeiten. In seinem Ladenlokal auf der Hermannstraße 28 findet man eine reichhaltige Auswahl bereits vorgefertigter Skizzen- und Schreibbücher, Notizhefte, Fotoalben mit Papp-, Leder- oder Stoffeinband.

„In den letzen Jahren kommen immer wieder Kinder und Jugendliche in mein Geschäft, die Federn und Federhalter kaufen und natürlich Tinte. Anfangs habe ich mich darüber gewunderte und gedacht, dass sich diese jungen Menschen plötzlich für Kalligraphie interessieren, bis mir der tatsächliche Grund klar wurde. Im Harry Potter Fieber wollen sie ihrem Idol nacheifern und dazu gehören natürlich Feder, Federkiel und Tinte“, erzählte uns der Buchbinder.

Denn bei Adolphs gibt es alles, was man zur Kalligraphie benötigt: Federn und Federkiele in unterschiedlichen Ausführungen und natürlich Tinte. Eisengallus Tinte zum Beispiel schreibt grau, wird aber mit der Zeit an der Luft tiefschwarz. Die rote Liebestinte duftet nach Rosen und die türkisfarbene Frühlingstinte nach Maiglöckchen. Gold- und Silbertinte sind  ebenfalls zu erhalten wie Veilchentinte, die dementsprechend duftet. Wer sich oder andere mit einem ausgefallenen Geschenk oder einer besonderen Kleinigkeit erfreuen möchte ist bei Buchbinder Adolphs bestens beraten.

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