Flingerns erstes Buch

Flingern - Kiez, Kunst & Kultur (Droste Verlag)

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Maik Kopleck

Auf den Spuren der Geschichte wandeln

Verfasst von Hanenberg am 12. März 2010 - 21:18


Pastfinder Düsseldorf Flingern - ReiseführerEin Reiseführer der besonderen Art ist der Pastfinder Düsseldorf im schlanken 12 x 22 cm Format. Wer mit ihm auf Stadterkundung geht, bewegt sich auf den Spuren der Vergangenheit. Maik Kopleck, der Herausgeber dieser Serie, konnte für die Düsseldorfer Ausgabe den Flingeraner Autor und Regisseur Alexander Scherer gewinnen, der in den 70er Jahren Autor des Düsseldorfer Stadtführers „Düsseldorf live in der Tasche“ war.


Auf 169 Seiten stellt Scherer die Altstadt, die längste Theke der Welt, die Innenstadt, die Ausstellungsstadt, Außenbezirke, das Bergische Dreieck, das Umland und den Niederrhein mit  ihrer wechselvollen Geschichte vor. Schwerpunkt in allen Kapiteln ist die Zeit des Nationalsozialismus und seine Auswirkungen. Der Leser lernt Bauten und Plätze kennen, die es manchmal heute so nicht mehr gibt. Im Kapitel „Die Längste Theke der Welt“ erfährt er die Historie Düsseldorfer Kneipeninstitutionen wie z.B. die des Kreuzherrenecks oder des Ratinger Hofes, lernt die Bedeutung der Ratinger Straße in früheren Jahrhunderten kennen. Das Kapitel „Ausstellungsstadt“ ruft Erinnerungen  an die großen Düsseldorfer Ausstellungen wach, mit denen sich die Stadt in die Geschichte eingeschrieben hat, erinnert an Gesolei und Ehrenhof.
Dem Bergischen Dreieck zwischen Remscheid, Solingen und Wuppertal und dem Umland der Landeshauptstadt zwischen Düsseldorf, Krefeld und Kleve sind 42 Seiten gewidmet und bietet eine Fülle von Ausflugsvorschlägen.


Der Stadtführer ist übersichtlich aufgebaut. Jedes Kapitel hat seinen eigenen farbigen Querbalken, der sich über die jeweiligen Seiten zieht. Jedem Kapitel steht eine Übersichtskarte voran, in der mit farbigen Nummern die besprochenen Sehenswürdigkeiten markiert sind. Die Seiten  sind mit Fotos aus vergangenen Zeiten, Plakaten von Ausstellungen und Portraits bekannter Düsseldorfer Persönlichkeiten reich bebildert.
Wer Düsseldorfs Vergangenheit mit einer Stadterkundung kennenlernen möchte, ob als Tourist, Zugereister oder Alteingessener, für den ist der Stadt- und Reiseführer  Pastfinder Düsseldorf ein Muss.

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Scherer über Scherer

Verfasst von Hanenberg am 12. Februar 2010 - 21:01


Alexander Scherer lebt seit 40 Jahren in Flingern. Als Bühnen- und Kostümbildner war und ist er in vielen Kino- und Fernsehproduktionen tätig. Er dreht Filme und schreibt Bücher.

In dieser Ausgabe sollte Alexander Scherer, eine bekannte Flingeraner Persönlichkeit,, von uns vorgestellt werden. Herr Scherer schlug vor, den Artikel über seine Person selbst zu schreiben. Wir ließen uns überraschen. Herausgekommen ist ein Alexander Scherer als doppeltes Lottchen.  Er ist sowohl Interviewer als auch Interviewter. Wir drucken seinen Beitrag in voller Länge ab.

 


Alexander Scherer ist einer der Bewohner des Hauses Hermannstrasse 32, das dicht mit Efeu bewachsen ist. Ist Efeu noch zeitgemäß, Herr Scherer?  Ist heutzutage nicht eher Email angesagt?

Seit 1970 wohne ich im Stadtteil Flingern, erst im Haus Lindenstr.76, ab 1979 auf der Hermannstrasse. Auch wenn sich die jungen Leute das kaum vorstellen können, damals gab es noch keine Emails, geschweige denn das Internet, darum haben wir uns für Efeu entschieden. Sehr zur Freude der Nachbarn gegenüber, die endlich mal ins Grüne gucken konnten.

Gab es Alternativen?

E-Loks standen noch zur Auswahl, aber die schienen uns nicht grün genug.

Viele Flingeraner interessiert, wie oft der Efeu geschnitten werden muss?

Alle 2-3 Jahre wird er kurz geschoren. Immer bevor die Vögel anfangen zu nisten.

Welche Vogelarten hauptsächlich?

Elstern, diebische Elstern. Ich habe schon so manchen Ehering, von enttäuschten oder wütenden Eheleuten aus dem Fenster geworfen, in den Elsternestern gefunden und bei den zahlreichen Goldschmieden in Flingern versilbert.

Da die Scheidungsraten aber heuer wieder sinken, erwarte ich in diesem Jahr auch da starke Einbussen.

Sie benutzen das Wort: heuer? Stammen sie aus Österreich?

Wer im vierzigsten Jahr in Flingern lebt, der  hat längst vergessen, woher er stammt, dazu ist er mit dem Stadtteil zu stark verwurzelt. Als ich nach Flingern kam, war hier tote Hose (daher auch der Bandname unserer Stadtteilkapelle), nach und nach hat es sich erst zum Designer-Viertel (Immobilien-Jargon) entwickelt, dann zum Künstlerviertel.

Die Veränderung kam in Wellen. Das lässt sich sehr gut an Hand der Kneipen und Cafés erläutern.  Anfang der 70ger  schwappte die Hendrick Hendriksen-Welle über Flingern -Nord. Mit dem Café Grüner Mond und dem Café Lenz. Als die Ära Ende der 80er endete, erschienen das Pacos und später Schmitz Katz am Flingerner Himmel. Im neuen Jahrtausend war auch damit Schluss, jetzt sind der Böse Chinese, Alte Metzgerei und Hüftgold am Start. Der Wandel sagt viel über die Menschen aus, die in den letzten Jahren nach Flingern gezogen sind.

Auch mein Zwillingsbruder, der lange Zeit in Bilk ein Atelier besaß ist vor 6,7 Jahren auf die Ackerstrasse 15 gezogen. Ihm hat es der Bronxcharakter der unteren Ackerstrasse angetan.

Sie haben einen Zwillingsbruder?

So ist es. Er nennt sich Alexander von Goch. Welcher der beiden Nachnamen der ursprüngliche ist Scherer oder von Goch . Egal. Von ihm stammt übrigens die Idee, Flingern Nord zur autofreien Zone auszurufen. So was kann sich nur einer ausdenken, der keinen Führerschein besitzt Und auch kein Auto.

Aber sie sind doch der Autor des Pastfinder Düsseldorf? Oder ist das nur ein Namensvetter von ihnen?

Nein, nein - kein Namensvetter. Ja, den Pastfinder  Düsseldorf habe ich geschrieben. Mit Pfadfinder hat das nichts zu tun, obwohl manche das glauben. Pfadfinder war ich nie, Neudeutschland hieß unsere katholische Gruppe, und hörte sich mächtig nach viertem Reich an, war aber ganz brav und harmlos. Weiß gar nicht, ob es den Club heute noch gibt. Der Pastfinder ist ein Stadtführer, der nicht nur für Touristen interessant zu lesen ist, sondern auch für Düsseldorfer. Gehört in jeden Haushalt. Weil er Dinge über die Düsseldorfer Vergangenheit erzählt, die kaum bekannt sind. Jahrelang läuft man an Häusern oder Plätzen vorbei, ohne zu wissen, was da an spannenden oder dramatischen Ereignissen verborgen ist. Unbedingt kaufen, kostet im Buchhandel vier...

Halt stopp. Keine Werbung!  Wie sind sie dazugekommen solch einen ungewöhnlichen Stadtführer zu schreiben? War das ihre Idee?

Maik Kopleck, der den Pastfinder erfunden hat, bat mich den Düsseldorfer Stadtführer zu schreiben. Voher sind bereits Pastfinder in Berlin, Hamburg und Nürnberg erschienen. Jeweils von Autoren, die mit der Stadt verbunden sind. Da ich vor etlichen Jahren schon mal an zwei Düsseldorf -Führern gearbeitet hatte, schien ich ihm als der geeignete Mann.

Wie ist die Resonanz auf das Buch?

Durchweg positiv. Die Verkaufszahlen  sprechen für sich. Trotz der vielen Düsseldorf Stadtführer, die auf dem Markt sind. Die Menschen haben schnell erkannt, dass das kein üblicher Reiseführer ist. Neu und besonders.“

Haben sie nicht auch was mit Film zu tun? Oder ist das ein anderer Bruder von ihnen?

Stimmt.

Was stimmt? Das mit dem Film ? Oder das mit dem Bruder?

Ersteres.

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