Birkenstraße
Der Mann mit Hut
Wenn man Flingeraner fragt, ob sie Otto Kunze kennen, dann werden sicherlich nicht viele mit Ja antworten. Wenn man sie aber fragt, ob sie das Haus mit der roten oder blauen oder grünen Tür kennen, dann können die meisten dem Fragenden den Weg weisen, ohne zu wissen, dass diese Türen und die dazugehörenden Häuser untrennbar mit Otto Kunze verbunden sind. Die Türen wirken nicht nur durch ihren Entwurf und die feinen Holzarbeiten und Verzierungen, sie wirken nicht nur durch ihren farbigen Anstrich, sondern vor allen Dingen, und das ist sozusagen ihr gemeinsames Geheimnis, durch die Verarbeitung des Farblackes. Denn jede Tür wird in vier Arbeitsgängen behandelt und geschleift, bis sie schließlich ihr endgültiges Finish erhält. „Natürlich ist so eine Lackierung teurer als die allgemein übliche. Sie hat viel mehr Arbeitsgänge, aber auf Dauer ist das Teurere billiger. So ein Anstrich hält 15 Jahre, der blättert nicht ab“, sagt Otto Kunze.
Ein Haus, das Otto Kunze restauriert, bekommt Seele, unverwechselbare Präsenz und Eleganz. Unter seiner Aufsicht und Planung werden alte, heruntergekommene Häuser zu romantischen Stadthäusern, stilsicher, klassisch schön ohne jede Aufdringlichkeit, durchdacht bis ins letzte Detail, sowohl von außen und innen als auch vom Keller bis zum Dachboden. Denn Kunze ist nicht nur handwerklicher Perfektionist sondern auch Künstler und kreativer Problemlöser. Er gehört zu den wenigen Schreinern deutschlandweit, die noch wirklich alte Holzbearbeitungs- und Restaurierungsmethoden kennen und anwenden. Wer antike Möbel zu ihm bringt, kann sicher sein, dass sie in der traditionellen Handwerkskunst ihrer Zeit wiederhergestellt werden. Aber Otto Kunze baut auch Möbel nach alten Vorbildern ohne zu versäumen, ihnen etwas mitzugeben, was man nur mit typisch Kunze bezeichnen kann. Denn neben seinem Sinn für Schönheit und Ausgewogenheit hat er nicht seinen praktischen Sinn vernachlässigt. So konstruierte er einen Fernsehschrank, der auf dem Boden zu stehen scheint, tatsächlich aber knapp über dem Boden schwebt, weil er über einen frei bewegbaren Hebelarm mit der Wand verbunden und damit nach allen Seiten schwenkbar ist, so dass man aus jeder beliebigen Sitzposition fernsehen kann. Wer Sprossenfenster liebt, aber davor zurückschreckt, wenn er an die zeitaufwendige Putzaktion denkt, für Otto Kunze kein Problem. Für den Betrachter baut er Sprossenfenster, die sich für die Hausfrau am Putztag in eine durchgehende Fensterfläche verwandeln.
Seit 1956 lebt und arbeitet Otto Kunze nun schon in Düsseldorf. Dass er nach Düsseldorf kam, verdanken wir, auch wenn er das anders sehen wird, dem Zweiten Weltkrieg und einem Kindheitstraum. Geboren wurde er 1929 in Katscher, Oberschlesien. Dort bewirtschafteten seine Eltern 65 Morgen Land. Sein Vater, selber Tischler, war auf seinen Wanderjahren als Geselle unter anderem in Düsseldorf gewesen. Gerade von dieser Stadt erzählte er seinem Sohn während der Feldarbeit, so dass sich in Otto Kunze der Wunsch festsetzte, später auch mal nach Düsseldorf zu gehen.
Immer, wenn er seinem Vater von diesem Wunsch erzählte, sagte dieser: „Junge, du wirst nie nach Düsseldorf kommen. Wir haben zu viel Land dazu gekauft, du musst hier als Bauer bleiben, die Weiber schaffen das nicht ohne einen Mann.“ Selbst heute noch, wenn man ihn nach seinem Beruf fragt, erhält man spontan die Antwort Bauer. Doch dann kam der Zweite Weltkrieg und mit ihm alles anders als gedacht. Ein Jahr nach Kriegsende starb der Vater und mit dem Verlust Oberschlesiens begann auch die Vertreibung der Deutschen durch die Polen, so dass Otto Kunze mit seiner Mutter und Schwester mit nichts in den Händen schließlich in einem Lager in Pirna in der ehemaligen DDR landete. Ein Erlebnis, das ihn tief geprägt hat und selbst heute noch, nach so vielen Jahrzehnten, emotional berührt. Drei Jahre arbeitete er in der Folgezeit auf einem Hof: ein Jahr im Kuhstall, zwei Jahre als Kutscher bis er schließlich 1949 eine Tischlerlehre in Freiberg begann. Bereits nach einer Gesellenwoche setze er sich 1951 gegen Westen Richtung Düsseldorf ab. 35 DM Bestechungsgeld ermöglichten ihm die Flucht über die damalige grüne Grenze und brachten ihn auf dem Fahrrad zum Sammellager Ülsen. Nachdem Hof und Boden in Oberschlesien verloren waren, blieb ihm nichts anderes als die Erinnerung an die Heimat und an den Vater und damit untrennbar verbunden der Wunsch, wie sein Vater nach Düsseldorf zu gehen. Und der sollte nun verwirklicht werden, auch wenn es noch fünf abenteuerliche Jahre dauern sollte, bis er schließlich hier ankam.
In Köln hätte er in den Fordwerken arbeiten können, aber Fabrikarbeit, das war nichts für den Naturburschen Kunze. Schließlich landete er auf dem Arbeitsamt Neuss, das er mit einem Arbeitsschein für eine Neusser Firma verließ. Beinahe hätte er auch dort angefangen, wäre da nicht das Schild „bis Düsseldorf 8 Kilometer“ gewesen. Als er das Schild sah, habe er den Schein zerrissen, erzählt Otto Kunze. So kurz vor dem Ziel habe er nicht aufgeben wollen, sich wieder auf das Rad geschwungen und sei Richtung Düsseldorf geradelt, wo er sich als Tischler angemeldet habe. Das Fahrrad blieb auch in der Folgezeit sein ständiger Begleiter. Mit Fahrrad und Anhänger transportierte er Möbel von Kunden in die Werkstatt und wieder zurück. Im Victorian auf der Königsstraße ist er dem Barkeeper bis heute in bleibender Erinnerung. Nicht nur wegen der guten Arbeit, sondern weil er damals auf dem Fahrrad mit Hut vorgefahren war, was man gelinde gesagt als ausgesprochen ungewöhnlich empfand. Dort hat er nämlich die erste Theke gebaut. Aber Fahrrad und Hut sind Kunzes Markenzeichen, der nicht viel von äußeren Statussymbolen hält, um sich damit aufzuwerten. 1956 eröffnete er seinen ersten Betrieb in der zerstörten Reitzenstein Kaserne und zwar in einem Pferdestall der damaligen Reitschule Anton Cordes. Seine Schwester Maria war von Anfang an seiner Seite und hielt ihm den Rücken frei, indem sie sich um alle Büroarbeiten und die administrativen Tätigkeiten kümmerte. Morgens um halb vier sei er aufgestanden, habe bis abends 21 Uhr gearbeitet. „Wer zu meiner Zeit auf dem Land aufgewachsen ist, ist an einen arbeitsreichen Tag voller Entbehrungen gewöhnt“, erklärt Kunze.
Aus der ehemaligen Werkstatt im Pferdestall ist ein großer Betrieb geworden, der neben einer Schreinerei auch eine Schlosserei und eine Maler- und Lackierwerkstatt umfasst und zeitweise bis zu 40 Mitarbeiter beschäftigte. Trotzdem blieb immer noch Zeit, Reisen wie zum Beispiel nach Petersburg zu unternehmen, die er stets nutzte, um alte Schlösser, Bauten und Museen zu besuchen und zu studieren. Selbst heute noch, mit 79 Jahren, steht er morgens um halb sechs auf und arbeitet bis nachts halb zwölf in seinem Betrieb. Arbeit ist sein Leben. Die Früchte seines Schaffens zu genießen nicht sein Ding. Einen Nachfolger, der in seine Fußstapfen treten könnte, hat er nicht. Seine vier Töchter, die er liebevoll Weiber nennt, arbeiten in anderen Berufen. Weiber kommen mir nicht in den Betrieb, habe er damals gesagt, als seine jüngste Tochter den Wunsch äußerte, auch eine Tischlerlehre zu beginnen. „Heute bestreitet mein Vater vehement, dass er das gesagt haben soll“, erzählt uns die jüngste Tochter. Mit Otto Kunze wird eines Tages auch ein großer Teil alter Handwerkskunst gehen, denn in der heutigen Ausbildung werden viele Techniken nicht mehr gelehrt, weil sie zu zeit- und kostenintensiv sind.
Zu Fuß durch Flingern
Klar, Einkaufsketten sucht man in Flingern vergeblich. Globaler Einheitsbrei ist nicht Flingerns Ding. Individualität, Persönlichkeit und ein Angebot mit dem gewissen Kick sind Flingerns Pfunde, mit denen der Stadtteil wuchert in einer Zeit, in der eine Geschäftsstraße in den Innenstädten der anderen europa- ja weltweit gleicht.
„Hier ist es ja wie im Urlaub.“ Darin waren sich die Besucher von Flingern at night einig. Und es schwang eine Menge Überraschung mit. Natürlich. Die laue Frühlingsnacht, Tausende gut gelaunte Besucher und kommunikative Geschäftsleute, die ihre Läden bis tief in die Nacht geöffnet hielten und ihre Gäste auf das eine oder andere Glas Wein einluden, sorgten für die richtige Urlaubsstimmung und rückten den Stadtteil ins rechte Licht und in den Fokus der Öffentlichkeit. Die hohe Geschäftsdichte in Flingern Nord, die Inhaber geführten kleinen Läden, die Vielfalt der Angebote und der Mix aus Handwerk, Handel, Ateliers und Gastronomie luden zum Bummeln ein. Klar, Einkaufsketten sucht man in Flingern vergeblich. Globaler Einheitsbrei ist nicht Flingerns Ding. Individualität, Persönlichkeit und ein Angebot mit dem gewissen Kick sind Flingerns Pfunde, mit denen der Stadtteil wuchert in einer Zeit, in der eine Geschäftsstraße in den Innenstädten der anderen europa- ja weltweit gleicht. Corporate Identity, das so häufig benutzte Zauberwort, steigert zwar den Wiedererkennungswert, führt aber auch in die Austauschbarkeit. Corporate Identity findet man in Flingern nicht und das brachte den Stadtteil nach seiner Wiederentdeckung rasch in den Ruf, ein Szeneviertel, eben anders zu sein. Hier geht’s ja zu wie im Taubenschlag. Ein Kommen und Gehen. Es bleibt kaum Zeit, sich an etwas oder jemanden zu gewöhnen.
Früher war alles anders.“,klagt eine alte Flingeranerin. Ja, früher, früher als die Birkenstraße noch die Kö von Flingern war, da lebten die Menschen jahrzehntelang in ihrem Stadtteil, verließen ihn häufig erst mit dem Tod. Früher flanierte man über die Birkenstraße an Goldschmieden, Mode-, Möbel- und Accessoiregeschäften, Kunstgewerbe und Delikatessengeschäften vorbei. Dann der Einbruch in den 80er Jahren. Die jungen Leute zogen in andere Viertel oder aufs Land. Altbauwohnungen wurden für Neubauten eingetauscht. Steigende Mobilität und verändertes Kaufverhalten zog die Menschen in die Innenstadt, wo man auf die preisgünstigeren Kaufhäuser oder die angesagten In-Label zurückgreifen konnte. Das Geld wanderte ab und mit ihm die Geschäfte, die in Flingern keine Zukunft mehr sahen. Das Viertel dümpelte vor sich hin, Ladenflächen lagen brach, die Mieten stagnierten auf niedrigem Niveau. Und es kam, wie es kommen musste, wenn ein Stadtteil im scheinbaren Moment der Ruhe seine Metamorphose vollzieht. Angelockt von den niedrigen Mieten ließen sich Künstler, Kreative, Lebenskünstler und Intellektuelle nieder, um hier zu experimentieren und ihre Ideen umzusetzen. Es entstanden Ateliers, Galerien und Geschäfte fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit. Flingern schlief noch immer seinen Dornröschenschlaf. Nicht jedes Experiment verlief erfolgreich, nicht jede Geschäftsidee konnte langfristig umgesetzt werden. Häufig fehlte das Geld im Hintergrund, um die Durststrecke nach einer Eröffnung zu überbrücken.
Und plötzlich begann der Run auf die Altbauwohnungen in Flingern. Anfang 2000 der gegenläufige Trend. Jetzt wurde es wieder chic, Wohnungen mit Herz und Seele zu bewohnen, Individualität zu zeigen. Hohe Decken, Stuck, Parkett, große Wohnküchen. Flingern mit seinem großen Altbaubestand, den günstigen Mieten, der nahen Anbindung an Autobahnen und Schnellstraßen, Flughafen und Bahnhof, die unmittelbare Nähe zur Innenstadt war ideal für viel beschäftigte Single und junge Paare. Wer Flingern besucht, sollte sein Auto zu Hause lassen, denn Kneipen, Bars, Restaurants und Cafés verlocken zur Einkehr. In den letzten drei Jahren hat sich eine Gastroszene etabliert, die von der Eck- und Sportkneipe über das Szenecafé bis hin zur hippen Cocktailbar reicht. Von welcher Seite aus den Stadtteil erkunden bleibt gleich. Flingern ist ein Viertel der kurzen Wege. Vielleicht als Ausgangspunkt den Hermannplatz nehmen, der das Herzstück Flingerns ist. Nach monatelangen Umbauarbeiten in diesem Jahr ist hier ein Platz entstanden, der von allen Seiten gut einsehbar ist und von den Kindern Flingerns mitgestaltet wurde. Sie haben die lange Betonschlange, die Begrenzung des Sandkastens, mit Mosaiken verziert. Der eine Teil des Platzes ist Spielplatz und Treffpunkt junger Familien, der andere Teil Fläche für den samstäglichen Markt.
Die Ackerstraße ist Flingerns heute wohl bekannteste Straße. Neben Kunstgalerien, Ateliers, Modegeschäften und Handwerksbetrieben liegen hier zahlreiche Restaurants, Bars und Cafés. Vor zwei Monaten eröffnet hat die Galerie Viktor Grray auf der Ackerstraße 108, die schwerpunktmäßig
zeitgenössische Kunst von Künstler aus Russland, Weißrussland und den umliegenden Ländern präsentiert. Schräg gegenüber die Galerie RUZICSKA/// WEISS, mit ebenfalls zeitgenössische Kunst. Neben Einzelausstellungen werden hier Gruppenausstellungen gezeigt, in denen die Unterschiede einzelner Positionen exemplarisch vorgestellt werden. Im Hinterhof an der Ackerstraße 144 findet man nicht nur Flingerns Stadtteiltheater, das TheaterFlin, sondern auch die Trinkhalle, Flingerns Wohnzimmerbar im Retrostil der 70er Jahre mit einem wechselnden Programm ab donnerstags. Auf demselben Hof, das Atelier der Künstlerin Felicitas Lensing-Hebben und die Werkstatt von Eva Heselhaus, die Tische, Stühle, Sessel, Schränke und Regale baut. Ihr Thema das Meer. Ihre Möbel erinnern daran. Neu dazu gekommen auf der Ackerstraße 156 St. Pauli Blond. Michael Geihe, unter dessen Händen nicht nur die Kandidatinnen von Heidi Klums Show „Germany`s next Topmodel“ ein neues Hairstyling bekommen, hat hier zusammen mit dem ehemaligen Model Christian Sopke aus dem ehemaligen second hand Laden einen neuen Treffpunkt geschaffen. Im Souterrain und Erdgeschoss gibt es handgemachte Wellness-Produkte, Designer- Schmuck, Schallplattenraritäten, Outfits von Dutch Delight und ein kleines Café mit Fingerfood. Etwas weiter, Ecke Hermannstraße, das Maurice, eine Cocktailbar im 60er-Jahre-Stil, in dem man auch gepflegt frühstücken kann. Der wohl schönste Teil der Ackerstraße liegt zwischen Hermann- und Hoffeldstraße. Über die Dorotheenstraße hinweg lässt sich das savoir vivre im kleinen, intimen, provencialischen Restaurant Bon soir Maurice pflegen. Gleich daneben der Modeladen butik, in dem Fatima Hollstein Mode der Label HOSS Intropia, by Groth, Cést Tout und Filippa K anbietet. Gegenüber liegt direkt neben dem Atelier von Martina Etienne Heike Siemes Dessous, Flingerns einziger Dessousladen mit seinen klassisch zeitlosen, hochwertigen Kollektionen. Neu dazu gekommen ist Suburbia mit einer großen Auswahl an Streetwear.
Der idyllische Teil der Hermannstraße liegt zwischen Linden- und Ackerstraße. Alter Baumbestand, architektonisch wunderschöne alte Stadthäuser. Hier hat die Modedesignerin Ulla Meiners ihr Geschäft, in dem sie unter dem Label URSBOB ihre aktuelle Mode zeigt. Gleich daneben das atelier für raumgestaltung Roth und Misfi t, eine Johannisburg – Flingern – Connection. In ihrem Laden bietet Lena Jansen Mode und Accessoires von zwei Kontinenten an. Schräg gegenüber blattgold, eine Ateliergemeinschaft von Buchbindermeister Adolphs und Goldschmiedin Beyermann.
Ateliergemeinschaften findet man häufig in Flingern. Sie verfielfältigen das Angebot und halten die Kosten für den Einzelnen klein.
Schwer im Kommen ist die Hoffeldstraße. Flingerns legendäre Suppenküche ist hier ebenso beheimatet wie la terra auf der Ecke Ackerstraße/ Hoffeldstraße, ein ungewöhnlicher Blumenladen mit den wohl witzigsten und schrägsten Accessoires in ganz Düsseldorf. Direkt gegenüber das Perlenreich mit seiner unerschöpflichen Auswahl an Perlen, Schmuck, und Edelsteinen. Die Modeagentur LiMo bietet nicht nur Damenmode und Accessoires an, sondern zeigt auch Grafiken und Malerei in wechselnden Ausstellungen.
Das ist typisch für Flingern. Viele Läden geben Künstlern und Designern die Möglichkeit, ihre Objekte in den Geschäftsräumen auszustellen. „Zur Raumgestaltung gehören nicht nur Stoffe, Muster und Farben, sondern auch Bilder und Skulpturen.“ Karin Mundigl vom gleichnamigen Raumausstattungsgeschäft auf der Hoffeldstraße stellt die Ausstellungsobjekte deshalb immer in den Gesamtzusammenhang ihrer gezeigten Stoffe und Polster. Das Perlenreich wiederum arbeitet mit archefilo zusammen, die mit ihren Möbelentwürfen und Accessoires Wohnräume in märchenhaft anmutende Kunsträume verwandeln.
Zwischen Ackerstraße und Grafenberger Allee liegen die Geschäfte im Souterrain. Hier haben eine Malerin, Mode-, Stoff- und Schmuckdesigner ihre Ateliers. Susanne Mayer kreiert mobilen, variablen Schmuck aus Edelmetallen, Stahl oder Tantal, der von seiner Trägerin immer wieder neu zusammengesetzt werden kann. Interessante Schmuckateliers, jedes mit seiner ganz eigenen Handschrift, findet man auf vielen Straßen in Flingern.
Gerade erst eröffnet haben Aldenhoff Jewellers ihre Dependance auf der Birkenstraße 96. Galerie Elb von Heike Elferink und Jenna Brommer liegt direkt neben der Montessori Hauptschule an der Lindenstraße 142 und Goldschmiedin und Schmuckdesignerin Maria Hahlen hat ihr Atelier auf der Dorotheenstraße 10. Gleich um die Ecke, auf der Grafenberger Allee Heaven 7 und ModeBusStop. Heaven 7 ist ein Friseursalon der besonderen Art. Muss man hingehen. Am besten samstags, wenn der Laden bis auf den letzten Raum voll ist, das gutgelaunte Team die Köpfe seiner Kunden unter die Hände nimmt, die Musik spielt und niemand genau sagen kann, ob er nun Zuschauer oder Akteur auf einer Bühne ist. Gleich daneben ModeBusStop, in dem Heidi Sellner flippige Mode und Accessoires zu unschlagbaren Preisen anbietet. Etwas weiter, Ecke Beethovenstraße, Le Lina, ein kleines Geschäft, in dem es Möbel, Wohnaccessoires und Geschenke gibt. Hier hat Bärbel Biesel ihr Credo verwirklicht: Wohnen hat mit Wärme, Geborgenheit und Lebensqualität zu tun.
Auf der Lindenstraße, einer ebenso langen Straße wie die Ackerstraße, liegen Geschäfte und Galerien zwar weiter auseinander, dafür findet man zwischen Lieblingsstücke an einem Ende Ecke Bruchstraße und La Vinesse am anderen Ende gegenüber der Mendelsohnstraße interessante, Denkmal geschützte Bauten wie die ehemalige Volksschule an der Lindenstraße 126 mit ihren mythisch anmutenden Reliefarbeiten in der Fassade oder das alte Wegekreuz gegenüber dem Lindenplätzchen Ecke Hoffeldstraße. In Lieblingsstücke gibt‘s second hand hippe Designer Outfits. Gegenüber hat Nina Reich gerade ihren Laden Möbel & Dekoration eröffnet. Neben dem alten Wegekreuz bedruckt druckbar T’shirts ganz individuell und vis á vis der Buchhandlung Regenbogen hat sich die Galerie Schönewald und Beuse in der ehemaligen Werkhalle der Hydraulik Hilfrich niedergelassen. Ecke Wetterstraße, auch gerade neu eröffnet, liegt das Wiener Kaffeehaus Alma. Eine Spezialität des Hause: almas selbstgebackenes Honig-Dinkelbrot mit Ziegenfrischkäse und selbstgemachter Marmelade. Bevor man Ecke Ackerstraße in den letzten Teil der Lindenstraße abbiegt einen kurzen Abstecher auf die Beethovenstraße einschieben. Hinter dem Café Beethoven, einer Institution in Flingern, liegt etwas versteckt das kleine Geschäft Damenwahl. Sein Angebot: Kleidung, Accessoires, Schmuck, Keramiken, Lampen, alles handgearbeitete Einzelstücke. Dann zurück auf die Lindenstraße an der die Weinhandlung LaVinesse in einem alten Jugendstilhaus liegt. Hier kann man nicht nur aus einem großen Weinangebot seinen Favoriten wählen, sondern sich auch auf einen Schoppen treffen oder die Weinhandlung einschließlich des kleinen romantischen Gartens für private Feiern nutzen. Bis heute ist der Stadtteil in Bewegung geblieben. Was früher die Birkenstraße für Flingern war, sind heute Acker-, Hermann-, Hoffeld- und Lindenstraße geworden. Alt eingesessenes Handwerk, Handel, kleine Mode- und Schmuckateliers, Galerien und Gastronomie geben dem Stadtteil Spannung. Die schmalen, Baum bestandenen Straßen und die restaurierten Stadthäuser aus der Jahrhundertwende geben ihm Charme und Atmosphäre. Die Menschen, die hier leben und arbeiten kommunikatives Flair.
Tatort Flingern

Die zehnjährige Michelle steigt nach Schulschluss in Flingern in das Auto eines unbekannten Mannes und verschwindet spurlos. Die sofort eingeleitete Suchaktion der Polizei läuft ins Leere. Es gibt Verdachtsmomente. Der Täter wird im Kinderpornomilieu vermutet. Jeder kleinste Hinweis wird überprüft, doch ohne Erfolg. Das Mädchen wird tot in der Düssel gefunden. Als kurze Zeit später ein weiteres Mädchen auf dem Heimweg in der Nähe des Brahmsplatzes verschwindet, kann der Täter durch einen Zufall ermittelt werden. Er ist nicht bereit mit der Polizei zu kooperieren und so beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, um das Kind noch lebend zu finden.
Der ermittelnde Kommissar, Hagen Brandt, lebt wie die Autorin, Sandra Dünschede, auf der Lindenstraße in Flingern. „Solomord“ ist nach „Nordmord“ und „Deichgrab“ ihr dritter Kriminalroman. Sein Schauplatz ist Düsseldorf und hier insbesondere Flingern und Düsseltal. Für einen Düsseldorfer oder Flingeraner Leser eine ganz neue Erfahrung. Imaginiert er sonst Straßen, Gegenden und Plätze als Schauplätze einer Handlung nach eigener Phantasie, so bleibt bei Solomord ihr nichts überlassen. Grafenberger Wald, Staufenplatz, Rheinwiesen, Großmarkt, Polizeipräsidium, Brahmsplatz, Automeile, Birkenstraße, Lindenstraße, alles Namen mit konkretem Inhalt. Lediglich die Tatorte und Schulen werden nicht von der Autorin benannt und genau an diesen Stellen des Buches wird der einheimische Leser selbst zum Ermittler. Vor welcher Schule steigt das Mädchen ins Auto? Von welcher Straße aus beobachtet der Täter Schulpforte und Bushaltestelle? Wo genau wird das zweite Mädchen ins Auto gestoßen? Der ortskundige Leser will und kann den Beschreibungen einen Namen geben, auch wenn er manches Mal länger kombinieren und nachdenken muss. Hauptfi guren des Krimis „Solomord“ sind Kommissar Hagen Brand und sein Kollege Teichert. Beide sind vielschichtig angelegt.
Hagen Brand ist nicht nur ein erfolgreich arbeitender Kriminalbeamter und geschätzter Mitarbeiter seines Vorgesetzten. Er ist auch allein erziehender Vater einer pubertierenden, dreizehnjährigen Tochter mit allen Problemen und Sorgen. Privat-und Berufsleben sind eng verzahnt und beeinflussen sich gegenseitig. Es ist nicht nur die Erwartungshaltung von Öffentlichkeit, Staatsanwaltschaft und Vorgesetzten, die ihn in den Ermittlungen unter Druck setzt. Es ist auch die seiner Tochter, die abends auf jede Negativmeldung mit stummen Vorwürfen reagiert. Und darüber hinaus ist er auch Privatperson mit einem Faible für Modelleisenbahnen und einem aufkeimenden Gefühl für die Klassenlehrerin seiner Tochter. Teichert, sein Kollege, ist Junggeselle und auch nicht sorgenfrei. Zum einen muss er sich in seiner neuen beruflichen Stellung beweisen, zum anderen führt seine Romanze mit einer Kollegin zu einigen Missverständnissen.
Ohne zu viel zu verraten. Der Krimi hat eine überraschende Wendung. Der Täter andere Motive als zunächst vermutet. Ein von Schuldgefühlen geplagter Mensch glaubt, ein durch ihn verschuldetes Unglück durch eine kriminelle Tat ungeschehen machen zu können.

Für alle Krimifreunde: „Solomord“
von Sandra Dünschede
ist absolut lesenswert
und spannend.




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vor 5 Wochen 4 Stunden
vor 1 Jahr 18 Wochen