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Adolphs, ein Synonym traditioneller Buchbindekunst

Verfasst von Hanenberg am 5. Februar 2010 - 14:24

Adolphs BuchbindekunstGeht man von der Birkenstraße aus über den idyllischen Teil der Hermannstraße zwischen Linden- und Ackerstraße, so sieht man schräg gegenüber dem Haus mit den Arkaden das kleine aber feine Geschäft „blattgold“, das in einer Werkstattgemeinschaft von der Goldschmiedin Beyermann und dem Buchbinder Adolphs betrieben wird. Die Eingangstür zwischen den beiden geschmackvoll dekorierten Schaufenstern trennt das Geschäft in zwei imaginäre Bereiche. Rechts der Tür stehen der Arbeitsplatz und die Schmuckvitrinen der Goldschmiedin, links der Tür liegt der Arbeitsbereich des Buchbinders. In der Mitte zwischen beiden Bereichen steht ein Regal voller papierener Kunstwerke traditioneller Buchbinderkunst und Schreibutensilien wie Federn, Tinte, Siegellack und Stempel, die an vergangene Zeiten erinnern.

Seit 20 Jahren hat Buchbinder Adolphs seinen Betrieb nun schon in Flingern. Anfangs in den Räumen neben dem jetzigen Geschäft, seit 1997 zusammen mit der Goldschmiedin Beyermann in dem heutigen Ladenlokal. Warum er den Beruf des Buchbinders gewählt habe? Nun, damals sah er darin eine Möglichkeit, seine Kreativität in traditioneller Handwerkskunst umsetzen zu können, auch wenn der Alltag eines Buchbinders zu Beginn seiner Tätigkeit mit Serienarbeiten ausgefüllt war wie sie heute nicht mehr üblich sind. „Früher wurden Geschäfts- und Kassenbücher noch mit der Hand geschrieben und die mussten für das Finanzamt gebunden und jede einzelne Blattkante farblich behandelt werden, so dass die einzelnen Blätter, wenn das Buch zusammengeklappt war, ein Marmormuster ergaben. Fehlte eine oder mehrer Seiten, war das Muster gestört, das heißt, nicht mehr vollständig und das Finanzamt konnte daran erkennen, dass Seiten herausgerissen worden waren“, erzählte uns Adolphs.

Firmen ließen Schaukästen aus Kunstleder mit Glasdeckel arbeiten um ihre Produkte auszustellen oder gaben Schreibtischunterlagen in Auftrag. Universitäten ließen ihren Buchbestand katalogisieren und binden oder fassten Zeitschriften in Jahrgangsbüchern zusammen.Die meisten dieser Arbeiten fielen im Zeitalter des Computers der elektronischen Maschine und den Rationalisierungmaßnahmen zum Opfer. Universitäten speichern ihre Buchbestände auf Mikrochips und Geschäfts- und Kassenbücher werden in Computerprogrammen und –ausdrucken festgehalten. Dementsprechend haben sich auch der Kundenkreis und die Auftragsarbeiten verändert und Serienaufträge wurden von Einzelbestellungen abgelöst. So werden heute von Adolphs Diplom- und Doktorarbeiten oder Fachliteraturbände gebunden. Aber es sind vor allen Dingen auch Kunden, die sich bei ihm besondere Wünsche erfüllen lassen, wissen sie doch, dass seiner Kunst kaum Grenzen gesetzt sind. So werden Familienchroniken und –stammbäume abgegeben, um sie in Leder oder Pergament binden zu lassen. Und wenn man die Lederhäute sieht, kann man sich kaum vorstellen, dass sie sich so fein spalten lassen, dass sie einen Buchrücken zieren oder Kanten verstärken oder als Gesamteinband dienen können.

Alte Familienbibeln oder Bücher erhalten einen neuen Einband und Fotografen und Künstler ordern Präsentationsmappen oder Skizzenbücher. Gästebücher in allen Formaten und Einbänden mit Gold- oder Blinddruckprägung bindet er nach den Vorstellungen seiner Kunden und berät sie bei der Wahl des Papiers, denn Papier ist nicht gleich Papier. Zwischen einer grob strukturierten und einer fein strukturierten Oberfläche gibt es noch viele feine Unterschiede. Und was sich für den einen Zweck eignet, ist für den anderen nicht gut zu gebrauchen. Eine Besonderheit sind die Fotoalben von Adolphs, denn er bindet sie mit festeren und dünneren Blättern. Die festeren Blätter für die Fotos, dazwischen ein bis zwei dünnere Blätter für Texte, die die Bilder oder das Ereignis kommentieren. Aber Adolphs bindet nicht nur Auftragsarbeiten. In seinem Ladenlokal auf der Hermannstraße 28 findet man eine reichhaltige Auswahl bereits vorgefertigter Skizzen- und Schreibbücher, Notizhefte, Fotoalben mit Papp-, Leder- oder Stoffeinband.

„In den letzen Jahren kommen immer wieder Kinder und Jugendliche in mein Geschäft, die Federn und Federhalter kaufen und natürlich Tinte. Anfangs habe ich mich darüber gewunderte und gedacht, dass sich diese jungen Menschen plötzlich für Kalligraphie interessieren, bis mir der tatsächliche Grund klar wurde. Im Harry Potter Fieber wollen sie ihrem Idol nacheifern und dazu gehören natürlich Feder, Federkiel und Tinte“, erzählte uns der Buchbinder.

Denn bei Adolphs gibt es alles, was man zur Kalligraphie benötigt: Federn und Federkiele in unterschiedlichen Ausführungen und natürlich Tinte. Eisengallus Tinte zum Beispiel schreibt grau, wird aber mit der Zeit an der Luft tiefschwarz. Die rote Liebestinte duftet nach Rosen und die türkisfarbene Frühlingstinte nach Maiglöckchen. Gold- und Silbertinte sind  ebenfalls zu erhalten wie Veilchentinte, die dementsprechend duftet. Wer sich oder andere mit einem ausgefallenen Geschenk oder einer besonderen Kleinigkeit erfreuen möchte ist bei Buchbinder Adolphs bestens beraten.

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