Annelies Böcker
19 Kreative für Flingern
Menschen, die sich dem Stadtteil verschrieben haben
Da ist doch mittlerweile bekannt, dass Flingern ein kreatives Viertel ist. Da kennt man dank der großen Events „Flingern at night“ und „Flingern rollt den roten Teppich aus“ in Düsseldorf und über Düsserdorf hinaus die Ateliers, Galerien, Geschäfte und Werkstätten der Designer, Künstler, Kaufleute und Handwerker. Aber die 19 Kreativen, die den Stadtteil lebenswert machen, die kennen die wenigsten. Klar, da taucht der eine oder andere Name in den Düsseldorfer Zeitungen auf. Aber wie heißt es so schön in unserer schnelllebigen Zeit? Aus den Augen aus dem Sinn. Wer sind die 19 Kreativen?
Bekannt sind sie unter dem Begriff „Bezirksvertretung“. Ah, Bezirksvertretung, was ist denn das? Nun, das sind die gewählten Frauen und Männer, die für einen Stadtbezirk zuständig sind. Ach so, Politiker. SPD, CDU, Bündnis 90/die Grünen, FDP, linke Liste Flingern. Ja, Menschen mit einer kreativen Leidenschaft, die Flingern gestalten. Immer einig sind sie sich nicht. Das Ziel der einen ist nicht unbedingt das Ziel der anderen. Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall Aber dafür gibt es demokratische Gepflogenheiten. Mehrheit entscheidet. Viele Mitglieder der Bezirksvertreter sind in Flingern geboren oder groß geworden oder leben schon Jahrzehnte hier wie Gizela Albes, Hermann Tups, Andrea Pieper. Günter Karen-Jungen wurde in den Wirren des Krieges in einem Bauwagen auf der Flurstraße geboren, hat maßgeblich das Kinderspielhaus in Flingern mitgegründet und bleibt bis heute mit seiner Arbeit in der Bezirksvertretung Flingern treu.
Geld gibt es nicht für ihre Arbeit, aber jeder von ihnen muss bereit sein, neben Familie und Beruf Zeit zu investieren. Circa 20 Stunden im Monat, da ist sich Klaudia Zepuntke sicher. Über zehn Jahre ist sie schon dabei. In Flingern ist sie ebenfalls aufgewachsen. Auch wenn sie nicht mehr in diesem Stadtteil wohnt, fühlt sie sich mit ihm verbunden. Kindheitserinnerungen vergisst man halt nicht. Als Gemeindeschwester der Matheikirche ist sie mit ihrem Fahrrad unterwegs und die Stunden, in denen sie mit Flingeraner Bürger spricht, ihre Probleme und Sorgen anhört, die rechnet sie nicht.
Für Gudrun Großer-Göbel, der Bezirksvorsteherin oder Annelies Böcker und Cornelia Wagner, ihre Stellvertreter, ist der Zeitaufwand um einiges höher. „Ein Halbtagsjob ist das sicherlich, wenn man seine Arbeit ernst nimmt“, meint Cornelia Wagner. Da muss man sich in die Materie der Anträge einlesen, das Für und Wider abwägen, Gespräche führen, Einladungen von verschiedenen Vereinen annehmen und Veranstaltungen besuchen. Fünf Jahre Arbeit in der Bezirksvertretung sind genug. Die Mutter von zwei Teenagern will nicht länger Familie, Beruf und Arbeit in der Bezirksvertretung miteinander vereinbaren. Etwas kommt immer zu kurz In den fünf Jahren war es die Familie.
Auch für Gudrun Großer-Göbel, Flingerns Bezirksvorsteherin, ist nach dieser Legislaturperiode genug. 30 Jahre Bezirksvertretung, davon 17 als Bezirksvorsteherin müssen reichen. Sie kann stolz auf ihre Arbeit zurückblicken. Mehr Zeit für die Familie und für ihre Hobbys hat jetzt Priorität, denn kreativ ist sie nicht nur in der Bezirksvertretung. Sie malt und kreiert Schmuck.
Ihre Vertreterin, Annelies Böcker, ist seit der Geburtsstunde der Bezirksvertretung 1975 dabei. Eine lange Zeit, aber die Möglichkeit etwas gestalten und erreichen zu können ist ihr Motor. Sie macht weiter. Ausdauer, Leidensfähigkeit, Durchhaltevermögen und Zielorientiertheit sind für sie wichtige Eigenschaften, die sie als Bergsteigerin in den Alpen gelernt und trainiert hat. Auch heute noch gehören Ski fahren, Schnee- und Gletschertouren zu ihren Hobbys. „Wenn man als kleiner Mensch in der gewaltigen Natur steht, wird man bescheiden.“
Ebenfalls ein Urgestein und von Anfang an dabei ist Hans Zodrow, der als Schiedsmann in Flingern so manche Streitigkeit ohne Gericht beilegen konnte. Er zieht sich aus der aktiven Politik zurück.
Als Jürgen Hülsmann in den 80er Jahren, zur Zeit als es auf der Kiefernstraße noch hoch her ging, entdeckte, dass man als Bürger mit Gleichgesinnten und viel Engagement und Durchhaltevermögen seine Interessen durchsetzen kann, hatte er „Blut geleckt“. Seit 1999 ist er in der Bezirksvertretung und hat so manches Mal den zeitlichen Rahmen der Versammlung mit seinen Anträgen und bohrenden Nachfragen um den Stand bereits eingebrachter Anträge gesprengt. Er gibt noch viel zu tun. An Aufhören denkt er nicht.
Aber was sind die Mitglieder der Bezirksvertretung ohne die Drei von der Stadtverwaltung: Sylvia Michalk, Gerhard Aschendorf und Markus Kreikenbaum. Sylvia Michalk organisiert den Büroalltag, tippt Vorlagen, Protokolle, Briefe, beantwortet Telefonanrufe, heißt Besucher willkommen. Markus Kreikenbaum ist der Schriftführer bei den Versammlungen und achtet darauf, dass kein Wort verloren geht. Der Chef vom Ganzen ist Gerhard Aschendorf. Ein Glücksfall. Er ist das Bindeglied zwischen Stadt und Bezirk. Er berät die Mitglieder der Bezirksvertretung Partei übergreifend unparteiisch bei formalen Fragen, den Möglichkeiten ihres Kompetenzbereiches und der Außendarstellung. Er begleitet die Bezirksvorsteherin bei ihren öffentlichen Auftritten. Einen sensiblen Job übt er aus, denn von seiner Arbeit und Person hängt das prima Klima in der Bezirksvertretung ab. Und das brauchen 19 Kreative, um so richtig aus dem Vollem schöpfen zu können.




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vor 1 Jahr 18 Wochen