Ackerstraße
Echt gefälsch
Edgar Mrugalla, der genialste Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts
Nie wieder ein Geschäft. Da war sich Patrice Daras sicher, als er im Juni zusammen mit seiner Geschäftspartnerin das Antiquariat auf der Kaiserstraße in Düsseldorf schloss. Erst im Dezember 2007 hatte er hier einen neuen Standort gefunden, nachdem das Geschäft im Rathauskomplex in der Altstadt aufgegeben werden musste. Die Stadt hatte Eigenbedarf angemeldet. Der neue Standort entsprach nicht den Erwartungen und noch einmal umziehen wollte er nicht. 26 Jahre waren genug. Zumindest glaubte der antiquarische Buchhändler das, als er seinerzeit diesen Entschluss im Brustton der Überzeugung verkündete. Aber wie heißt es so schön? Sag niemals nie. Und das traf auch in diesem Fall zu. Schon im April 2009, zehn Monate später, eröffnete Patrice Daras das Antiquariat Daras auf der Ackerstraße 101.
Und warum dieser Sinneswandel? Nun, da gibt es einen Schwiegervater. Dessen Frau war 2006 gestorben und seitdem lebte er einsam in der 100-Seelen-Gemeinde Fiel im Kreis Dithmarschen. Mittlerweile war er krank geworden und brauchte Hilfe von der Familie. Die holte ihn kurz entschlossen nach Düsseldorf in ihre Nähe. Und mit ihm kamen seine Bilder.
Aber was tun mit den Bildern? Und dann war die Idee geboren, diese Bilder in einer dauerhaften Ausstellung zu zeigen, denn der Schwiegervater ist Edgar Mrugalla, der wohl berühmteste, erfolgreichste und genialste Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts.
Als 1987 die Kripo vor seiner Tür stand und von den circa 3000 Fälschungen 1500 konfizierte, da löste Mrugalla den größten Bilderskandal der Nachkriegsgeschichte aus.
Aber warum wird man Bilderfälscher? Klar, Geld spielt immer eine Rolle und Geld spielte auch bei Edgar Mrugalla eine Rolle, aber Antriebsfeder war sein Zorn auf die Kunsthändler, die in den 60er Jahren seine Unwissenheit ausnutzten und ihm echte Gemälde für wenig Geld abkauften, um sie für ein Vielfaches weiter zu verkaufen.
Begonnen hatte alles mit der Gründung einer Entrümplungsfima und der Eröffnung eines Trödelladens in Berlin. Eines Tages fiel ihm bei einer Entrümplung ein Bild in die Hände, das ihm ein Kunsthändler für kleines Geld abkaufte. Später stellte sich heraus, dass es ein echter Caspar David Friedrich war. Klar, da kommt Zorn auf. Zorn auf den Kunsthändler und Zorn auf die eigene Unwissenheit und das sollte nicht länger sein. Mrugalla beschäftigte sich mit Kunst und Künstlern, studierte ihre Werke und Techniken, begann sie zu kopieren und sich zu perfektionieren.
Und jetzt zeigte sich ein Talent, das im Verborgenen geschlummert hatte. Er konnte Bilder eins zu eins kopieren und sich in die Stimmung so einfühlen, dass die Fälschung sich in nichts vom Original unterschied. Eine Kuratorin des Pariser Louvre attestierte ihm „Goldhände“, nachdem dort eine Fälschung entdeckt worden war.
In der Folgezeit bot er seine Kopien Kunsthändlern an und die kauften ihm die Bilder für kleines Geld ab, ließen sich die Echtheit durch entsprechende Expertisen von Gutachtern attestieren oder fügten die fehlenden Signaturen nachträglich hinzu, denn keine Fälschung wurde von Mrugalla mit dem Namen des kopierten Künstlers signiert. Doch jetzt lag die Täuschung auf beiden Seiten. Auf Seiten der Kunsthändler, die ihm verschwiegen, was sie glaubten zu kaufen und auf Seiten Mrugallas, der wusste, dass es Kopien, seine Kopien waren.
Erst ab 1980 begann er in großen Stil zu kopieren. Er war mittlerweile von Berlin ins Dithmarsche gezogen, zu einer Zeit, als in Berlin noch der erste Prozess gegen in lief. Mrugalla musste sich in diesem Prozess zum ersten Mal gegen den Vorwurf der Kunstfälscherei wehren. 1974 fand er bei einer Entrümpelung 24 farbige Otto Müller Kreidezeichnungen. Er bot sie verschiedenen Kunsthändlern an. Einer von ihnen wurde wegen der hohen Anzahl misstrauisch und erstattete Anzeige. Ironie des Schicksals oder Vorbote des Zukünftigen? Mrugalla blieb dabei, diese Zeichnungen gefunden zu haben. Das Gegenteil konnte ihm nicht nachgewiesen werden und so sprach ihn ein Schöffengericht nach einem achteinhalb Jahre währenden Prozess vom Vorwurf der Fälscherei frei.
In seiner neuen Heimat kopierte er circa 3000 Werke berühmter Künstler, unsigniert zwar aber Auftragsarbeiten, die von Galeristen, Kunsthändlern und Gaunern in Umlauf gebracht wurden und nahm damit billigend in Kauf, was mit seinen Kopien geschehen würde. So stellte es das Gericht in seinem zweiten Prozess fest. In dieser Zeit entstanden aber auch 18000 eigene, echte Mrugalla Werke. Es war seine ungeheure Produktivität, die ihm 1987 die Kripo vor der Haustür bescherte. Zu viele Picassos überschwemmten plötzlich in den 80ern den Markt und eine derartige Schwemme machte aufmerksam und misstrauisch. Der folgende Prozess endet glimpflich. Zwei Jahre auf Bewährung. Das milde Urteil wurde damit begründet, dass Edgar Mrugalla sich kooperativ bei der Aufdeckung gezeigt und niemals versucht habe, seine Kopien als echt zu verkaufen.
Millionen Euro sollen seine Fälschungen eingebracht haben. Millionen, die andere verdient haben. Noch heute sind circa 1000 Kopien im Umlauf, hängen in großen Museen dieser Welt. In manchen Museen hat er Hausverbot, denn immer, wenn er eine seiner Kopien entdeckte, machte er darauf aufmerksam. Aber wer will schon wissen, dass er einer Fälschung aufgesessen ist. Immerhin ist viel Geld geflossen und der Ruf eines Kunstsachverständigen steht auch auf dem Spiel. Dann schon lieber eine Fälschung besitzen und sie für echt halten. Die Vorstellung allein ist entscheidend, nicht die Wahrheit. Dabei ist es gar nicht ehrenrüchig, ein von Mrugalla gefälschtes Bild zu besitzen. Da stimmte alles, von der Technik, über den Ausdruck bis hin zur Leinwand, dem Papier und den Farben. Und das wirft die Frage auf, wie viel ist Kunst wert und wann ist sie etwas wert. Die Kopien von Mrugalla zumindest waren den Originalen ebenbürtig. Nach dem Prozess folgten Ausstellungen seiner Werke in ganz Europa.
Heute sind die „falschen“ und die echten Bilder von Edgar Mrugalla in wechselnder Ausstellung im Antiquariat Daras auf der Ackerstraße 101 zu sehen und zu erwerben. Neue kommen nicht mehr nach. Wer weiß, vielleicht ist ein echter Mrugalla einst so viel wert wie seine nachempfundenen Vorbilder.
FlingernMagazin No.3

Möbelparadies Flingern
Möbelhäuser gibt es wie Sand am Meer, große, kleine, mit Möbeln „von der Stange“, mit Antiquitäten, mit Designermöbeln, klassischen und neuen. Braucht Flingern das auch noch? Nein, braucht Flingern nicht, hat es auch nicht. Stattdessen sind Werkstätten und Läden neu hinzugekommen, die handgefertigte Einzelstücke anbieten oder Möbel nach individuellen Kundenwünschen bauen. Möbel für Große, Möbel für Kleine, puristische Möbel, Möbel, die an Strand und Meer erinnern, Möbel nach alten, bewährten Vorbildern. Mehr...
„Ich male, um meine Eindrücke noch einmal von außen betrachten zu können.“
Geboren in Dresden, jetzt wohnhaft in Düsseldorf seit November 2005 mit Atelier auf der Hermannstraße 22 A. Und was liegt dazwischen? Dazwischen liegen ein Studium der Porzellanmalerei in der sächsischen Porzellanmanufaktur Dresden und der Meissener Porzellanmanufaktur, ein Designstudium in der Künstlerwerkstatt München, Studienreisen nach Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz, Studium der Techniken der Portraitmalerei bei Senor Alejandro E. Morino in Barcelona und Jahre als freischaffende Künstlerin in Spanien. Mehr...
Afrika – ein paar Buchseiten von Flingern entfernt
Löwen, Giraffen, Nashörner, Antilopen, Krokodile, an die exotische Tierwelt dieses Kontinents denken Kinder, wenn sie den Namen Afrika hören. An Völkermorde, korrupte, gewalttätige Diktatoren, Hungersnöte, Hitze und Trockenheit die meisten Erwachsenen und natürlich an Urlaube in Kenia, Ägypten, Südafrika, Tunesien, Marokko. Aber an ein Leben mit Sorgen und Freuden, wie es sich alltäglich überall auf der Welt abspielt, daran denkt keiner. Und dass ein Hund eine wichtige Rolle spielt, scheint eher abwegig. Genau davon aber handelt das Buch „Mamady und Fidel“, eine Bildergeschichte für Kinder von Klaus E. Neelen, einem Flingeraner Grafiker. Mehr...
Echt gefälscht – Edgar Mrugalla, der genialste Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts
Nie wieder ein Geschäft. Da war sich Patrice Daras sicher, als er im Juni zusammen mit seiner Geschäftspartnerin das Antiquariat auf der Kaiserstraße in Düsseldorf schloss. Erst im Dezember 2007 hatte er hier einen neuen Standort gefunden, nachdem das Geschäft im Rathauskomplex in der Altstadt aufgegeben werden musste. Die Stadt hatte Eigenbedarf angemeldet. Der neue Standort entsprach nicht den Erwartungen und noch einmal umziehen wollte er nicht. 26 Jahre waren genug. Mehr...
Menschen, die sich dem Stadtteil verschrieben haben (19 Kreative für Flingern)
Da ist doch mittlerweile bekannt, dass Flingern ein kreatives Viertel ist. Da kennt man dank der großen Events „Flingern at night“ und „Flingern rollt den roten Teppich aus“ in Düsseldorf und über Düsserdorf hinaus die Ateliers, Galerien, Geschäfte und Werkstätten der Designer, Künstler, Kaufleute und Handwerker. Aber die 19 Kreativen, die den Stadtteil lebenswert machen, die kennen die wenigsten. Klar, da taucht der eine oder andere Name in den Düsseldorfer Zeitungen auf. Aber wie heißt es so schön in unserer schnelllebigen Zeit? Aus den Augen aus dem Sinn. Wer sind die 19 Kreativen? Mehr...
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Whats´s up in Flingern! FlingernMagazin!
Zwei Mal im Jahr erscheint das Magazin, in dem sich alles um Flingern dreht. Das Besondere: Es wird von dem jeweils darin vorgestellten Künstler handsigniert. Ein Novum und sicherlich auch einzigartig unter allen erhältlichen Magazinen, aber nicht der einzige Grund, warum das Booklet gesammelt und mittlerweile auch abonniert wird. Seit 2008 ist es auf dem Markt. Von Anfang an war klar, dass es nicht eins der üblichen Booklets werden sollte, in dem sich Anzeige an Anzeige hängt. Es lebt von seinem redaktionellen Teil mit Portraits, Interviews, Geschichten, Tipps und Neuigkeiten. Blickt man auf die letzten anderthalb Jahre zurück, dann ist „What’s up in Flingern“ auch eine Chronologie, zeugt es doch von dem ständigen Kommen und Gehen und permanenten Wandel im Viertel. So manches Geschäft, das sich in den vergangenen Heften vorgestellt hat, ist heute längst Geschichte. Zu finden ist das Magazin in Flingerns Geschäften, wird aber auch über ganz Düsseldorf verteilt und ist selbst in Köln vertreten.
Die Bronx vor Flingern
Stetig bergab verläuft die Ackerstraße von der Elisabeth Kirche zum Worringer Platz. Lebhaft geht es auf diesem Teil der Straße zu, auf dem die Tram mit lautem Gebimmel ihre Spur zieht und sich die Autos stadteinwärts oder flingern -aufwärts zwischen Bahn und parkenden Autos hindurch-schlängeln. Multikulti geht es auf den Bürgersteigen zu. Araber, Afrikaner und Europäer aus aller Herren Länder geben sich hier ein Stelldichein und laufen schnatternd zu zweit oder in Gruppen über den Bürgersteig. Multikulti auch die Läden und Restaurants, die zum Teil noch hinter Geschäftsfassaden liegen, die aus den 60ger Jahren stammen. Asia food Läden liegen in trauter Eintracht zwischen African hairdresser, italienischer Trattoria, Chinarestaurants, Telefonläden, Coffeeshops, Computerstores und Deichmann auf der einen Seite. Wer es nicht weiß, wird achtlos an einer Düsseldorfer Institution vorbeilaufen, die von so manchem Modedesigner angelaufen wird. Auf diesem Teil der Ackerstraße hat Plissee Klein seit Jahrzehnten seine Werkstatt. Hier werden Stoffe bestickt, Stoffe gefältelt in sogenannte Plisseefalten, Knopflöcher gefasst, Etikette bedruckt. Auf der anderen Seite liegen Galerien, haben Modedesigner und Kunsthandwerker ihre Ateliers.
Direkt hinter der Eisenbahnbrücke auf der Ackerstraße 39 liegt der Showroom von Tina Miyake. Das Schild „Drogerie“ über den Schaufenstern zeugt noch von Vorgängern aus den frühen Sechzigern. Ihr Stil feminin, weiche, fließende Silhouetten mit fernöstlichen Elementen. Die Stoffe gewebt oder gestrickt umschmeicheln comfortable den Körper. Ihr Showroom ist gleichzeitig ein Ausstellungsraum für wechselnde Künstler. Ein paar Schaufenster weiter ist Vivian Hackbarth zu Hause. Die Designerin ist für ihre Kreationen schon mehrfach ausgezeichnet worden. Ihr Stil unverwechselbar Hackbarth: Ihre unifarbenen Kleider, Mäntel, Jacken gleichen Gewändern, puristisch klar, streng im Schnitt umfließen sie den Körper.
Auf der Ackerstraße 23 bietet Susanne Sellger handgefertigte Töpferware an. Die Kunsthandwerkerin hat sich zur Zeit den Elfenschlössern verschrieben, kleine bemalte Türme mit Zwiebelkuppeln, die auf langen Stangen thronen und als Gartendekoration für ein liebevolles, verspieltes Flair sorgen. Aber sie malt auch Bilder, gibt Kleinmöbeln bunt bemalt ein lustiges Farbenkleid, bietet Töpferkurse für Groß und Klein an.
Die Galerie Burkhard Eikelmann liegt nur ein paar Eingänge weiter auf der Ackerstraße 13. Die riesige Fensterfront der neu gestalteten Fassade gewährt Einblicke in die lichtdurchfluteten Galerieräume. Die Galerie steht für Contemporary Art, Pop Art und Klassik und bietet das ganze Jahr über spannende Ausstellungen. Im April und Mai werden Werke von David Dalla Venezia ausgestellt.
Aber es ist nicht nur das spannungsreiche Nebeneinander der Geschäfte, der diesem Teil der Ackerstraße seinen besonderen Reiz gibt, es gilt auch die Hinterhöfe hier zu entdecken, auf denen sich Fotografen, Architekten, Künstler und Malstudios niedergelassen haben.
Wer sich mit Kung-Fu und Tai-Chi entspannen, mit Chun-Shin sein inneres Gleichgewicht wiederfinden oder pure Energie und Rhythmus mit Taiko, der Kunst des japanischen Trommelns, tanken möchte, findet im Hinterhof der Ackerstraße 19 die Dragon School Düsseldorf mit ihren Angeboten und Kursen.
Zugegeben, der westliche Teil der Ackerstraße zwischen Elisabeth Kirche und Worringern Platz gehört streng genommen nicht mehr zu Flingern, aber es lohnt sich, ihn in Augenschein zu nehmen: sehr speziell, sehr dynamisch, sehr spannungsreich, sehr kreativ. Eben wie die Bronx in New York, aus der so bekannte Persönlichkeiten wie Billy Joel, Jennifer Lopez, Calvin Klein, Ralph Lauren, Al Pacino, die Boy Group Aventura, Denzel Washington, Colin Powell stammen.
Und nicht gleich beim Namen Bronx an Kriminalität denken. Die gibt es im New Yorker Stadtteil mittlerweile genauso wenig wie in anderen New Yorker Stadtteilen und die tritt auf diesem Teil der Ackerstraße genauso wenig wie auf anderen Teilen dieser Straße. Und sollten Sie mal an einer Gruppe junger Männer vorbeikommen und plötzlich folgt ihnen einer wie ein Schatten: Entspannt bleiben. Einfach unterhaken und fragen, ob man nicht untergehakt miteinander weitergehen soll, wenn man schon so dicht beieinander geht. Dann löst sich die Situation mit einem Gelächter und besten Wünschen für den Tag oder den Abend auf. Sie sind halt verspielt, die Menschen auf diesem Straßenabschnitt.
Ach, bevor ich’s vergesse. In der Bronx in New York steht das Heinrich-Heine-Denkmal, das zum 100. Geburtstag von Heine 1897 in Düsseldorf aufgestellt werden sollte, aber durch eine antisemitische und nationalistische Agitation im Deutschen Reich verhindert wurde. Es wurde am 8. Juli 1899 im New Yorker Stadtteil Bronx enthüllt und steht seitdem am südlichen Ende des Joyce Kilmer Parks.
FlingernMagazin No.2

Die Bronx vor Flingern
Stetig bergab verläuft die Ackerstraße von der Elisabeth Kirche zum Worringer Platz. Lebhaft geht es auf diesem Teil der Straße zu, auf dem die Tram mit lautem Gebimmel ihre Spur zieht und sich die Autos stadteinwärts oder flingernaufwärts zwischen Bahn und parkenden Autos hindurchschlängeln. Mehr...
Mode Frühling Flingern
Was bringt der Modefrühling Neues in diesem Jahr. Auf den großen Schauen wird der wagemutigen Weiblichkeit gehuldigt mit viel Transparenz, leichten Stoffen, viel Glitzer, wehenden Silhouetten oder hautnahen Schnitten. Mehr...
Auf den Spuren der Geschichte wandeln
Ein Reiseführer der besonderen Art ist der Pastfinder Düsseldorf im schlanken 12 x 22 cm Format. Mehr...
Scherer über Scherer
Alexander Scherer lebt seit 40 Jahren in Flingern. Als Bühnen- und Kostümbildner war und ist er in vielen Kino- und Fernsehproduktionen tätig. Er dreht Filme und schreibt Bücher. Mehr...
Ich sprenge alle Ketten und sage Nein, nein, nein, nein , Nein.
Dunkle Lockenmähne, Glutaugen und eine Reibeisenstimme, die die Teenies der späten 60ger und frühen 70ger dahin schmelzen ließ. Mehr...
Schönheit, die bezahlbar bleibt
Wer ein Buch aus der Eremiten Presse sein eigen nennt, der merkt sehr schnell, dass sinnliches Erfahren an erster Stelle steht. „Begreifen“, Blättern, Streicheln, Betrachten, das sind die Impulse, die man verspürt, wenn man ein Buch aus diesem Verlag in Händen hält. Es zu lesen kommt an zweiter Stelle, was nichts über die Qualität des Textes sagt, ganz im Gegenteil. Das Buch als Gesamtkunstwerk, ein bibliophiles Sammlerstück, dafür steht die Eremiten Presse. Mehr...
Über Kunst sich selbst entdecken
Joachim Wagner wurde1954 in Stade bei Hamburg geboren. Er lebt seit seiner Kindheit in Düsseldorf, seit 25 Jahren in Flingern. Er studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. R. Geiger und Prof. G. Graubner, war Meisterschüler von Prof. Geiger und erhielt 1976 den Kunstpreis der Akademie. Seine Arbeiten wurden in über 200 Ausstellungen rund um die Welt gezeigt. Joachim Wagner ist verheiratet und hat drei Kinder. Mehr...
55 Jahre Wagner, 30 Jahre Kinderspielhaus Düsseldorf Flingern
Altersweisheit, eine gewisse Abgeklärtheit dem Leben gegenüber findet man nicht, wenn man Joachim Wagner begegnet. 55 Jahre wird er im September und immer noch ist er neugierig und aufgeschlossen gegenüber dem Leben und den Menschen, voller Lebensdurst und Tatendrang, überbordend an Ideen und, was er selbst als sein größtes Manko erklärt, voller Ungeduld, wenn es darum geht, sie zu verwirklichen. Mehr...
Aus Flingern nach Nordfriesland
Da fährt Bauer Ingwer Fedderson die Ernte seines Maisfeldes ein, als plötzlich seine Mähmaschine zum Stillstand kommt. Eine Leiche hat sich in den scharfen Messern des Häckslers verfangen. Irgendjemand hat Kalli Carstensen hier abgelegt, denn dass er nicht bei der Maisernte sondern durch einen Autounfall zu Tode gekommen ist, steht schnell fest. Mehr...
Düsseldorfs letzte Hexe lebt in Flingern
Königsallee 16.00 Uhr. Da ist sie wieder Düsseldorfs Hexe, Angela Spook. Ganz in Schwarz mit Hexenhut, Besen und einem Raben auf der Schulter steht sie oder dreht sich vor einem neugierig staunenden Publikum. Ihr Gesicht mit unbewegtem Gesichtsausdruck. Sie scheint so nah und doch so fern. Nicht jeder bleibt stehen, auch wenn sie die Blicke aller Passanten auf sich zieht. Wer ist sie, eine der letzten Gaukler auf Düsseldorfs Straßen? Die wenigsten kennen ihren bürgerlichen Namen Angelika Tampier. In Flingern wohnt sie auf einem Hinterhof an der Ackerstraße 191. Als sie sich 1999 der Zen Meditation zuwandte, entschied sie sich auch für ein minimalistisches Leben. Ihre Freunde und Verwandte hielten ihre damalige Entscheidung für eine fixe Idee, für ein Experiment, das sehr schnell von der Realität eingeholt würde. Keiner konnte sich damals vorstellen, dass ihre Entscheidung bis heute ihr Leben in allen Bereichen bestimmt.
Als Straßenkommödiant schlüpfte sie zuerst in die Rolle des Clowns, der dreiminütige Texte vortrug. „In unserer schnelllebigen Zeit ein viel zu langer Vortrag.“, erzählt Angela Spook, „Die Menschen bleiben eine Minute stehen, dann ist ihre Aufmerksamkeit schon wieder auf Anderes gerichtet.“ Zur Hexe kam sie ganz zufällig. In den Auslagen eines Hutgeschäftes entdeckte sie einen schwarzen Hut, der sie an einen Hexenhut erinnerte. Den schwarzen Mantel schenkte ihr der Vater, der fand, dass seine Tochter einen neuen Mantel brauchte. Schnell war die Idee geboren, von nun an als Hexe aufzutreten. Viele interessante Menschen habe sie während ihrer Auftritte kennengelernt. Vom Fleck weg wurde sie für Auftritte in anderen Städten engagiert. Das dreitätige Mittelalterfest in Wesel hat sie bereichert.
Lothar Kiepsch, der Marktmeister von Schermbeck, hat sie für seine Feste gebucht, auf Kindergeburtstagen und in Kindergärten ist sie aufgetreten. Das Geld, das sie mit ihren Auftritten verdient, reicht für einen bescheidenen Lebensunterhalt im Hier und Jetzt.
Wer sie auf der Ackerstraße besucht, begreift, wie die von ihr gewählte minimalistische Lebensweise aussieht. Hier lebt sie in einem Raum, einer ehemaligen Motorradwerkstatt, ohne Bad und Heizung. Kein Fernsehgerät, kein Telefon, kein Computer. Die Möbel Second Hand. Einziger Luxus eine alte Schreibmaschine. Gummimatten, dicke Teppiche zur Isolation und an manchen Tagen vier Lagen Kleidung schützen sie im Winter vor der Kälte. „Am schlimmsten ist es für Füße und Hände.“, sagt Spook, „Dann nehme ich Schüsseln mit warmem Wasser und tauche sie zum Aufwärmen hinein.“
Wer mit ihr Kontakt aufnehmen möchte, muss schon persönlich bei ihr vorbeischauen oder eine Nachricht vor ihrer Tür zurücklassen, wenn sie nicht zu Hause ist. Jeden Morgen steht sie um drei Uhr auf und beginnt den Tag mit Lesen. Lesen ist für sie ebenfalls eine Form der Meditation. Konzentration auf einen Text. Die Emotionen, die dabei entstehen, müssen gelenkt, verarbeitet und auf einen Punkt im Körper konzentriert werden. Abends um 23 Uhr ist Feierabend. Sechs Stunden am Tag meditiert sie. Drei Stunden während ihrer Auftritte auf der Kö, drei Stunden zwischen 18 und 21 Uhr. Dann ist sie für Besucher und Gäste nicht zu sprechen. Die letzte Stufe der Vollendung möchte sie erreichen. Einen Zustand, in dem ihr Sein nur noch positive Auswirkungen auf ihre Umwelt hat. Durch Höhen und Tiefen ist sie gegangen.
„In der Meditation erfährt man, wie eng Geist und Körper miteinander verbunden sind. Wie eine neue Bewusstseinsebene durch körperlichen Schmerz und Symptomen hindurch erreicht wird.“, erklärt sie. Aber alle Körpersensationen verschwinden genauso plötzlich wie sie gekommen sind. Von ihrem einmal eingeschlagenen Weg kann sie nichts abbringen. Die Figur der Hexe und ihre Lebensführung sind eins geworden. Zen Meditation steht in keinem Widerspruch dazu. Wenn man Angela Spook begegnet, fühlt man sich an „Die Nebel von Avalon“ erinnert mit seinen letzten Priesterinnen und Hexen als Gegenentwurf zu einer patriachaisch kontrollierten Welt. Neben ihren Meditationsübungen und Auftritten als Hexe schreibt sie Drehbücher und widmet sich wieder dem Malen. Sie ist Autodidaktin, hat verschiedene Kurse bei Meisterschülerinnen der Düsseldorfer Kunstakademie belegt. Seit Dezember 2007 gehört sie zur neu gegründeten Künstlergruppe FlinArt, einer Gruppe von 15 Künstlern, die ihre Werke in einer Sommer-und Winterausstellung in Räumen an der Icklack präsentieren. „Wer eine andere als die heute praktizierte Lebensform wählt oder seine Prioritäten anders setzt, gilt schnell als verdächtig, ja sogar als verrückt. Gegen den Strom schwimmen kostet viel Kraft, bedeutet aber auch viele neue, andere Erfahrungen“, sagt Düsseldorfs Hexe zum Abschluss unserer Begegnung.
„Ich zeichne also bin ich“
Martina Etienne ist im Ruhrgebiet aufgewachsen, hat an der Folkwangschule bei Professor Näscher Design studiert und neben ihrer künstlerischen Tatigkeit in der Werbung gearbeitet. Seit 1989 lebt sie in Flingern, seit 2002 hat sie ihr Atelier auf der Ackerstraße 201.
Frau Etienne, was ist für Sie ein Künstler, was zeichnet ihn aus? Was ist für Sie Kunst?
Die Definition des Wortes Kunst ist ein weites Feld. Für mich die Möglichkeit, im kreativen Bereich eine hoch entwickelte Fähigkeit, sein Talent zu leben, auszuleben. Aber Talent allein reicht im Allgemeinen nicht aus. Voraussetzung dafür ist zum einen beim Zeichnen – wie in jedem anderen Bereich der bildenden Kunst auch - die Fähigkeit zu „sehen und zum anderen die absolute Beherrschung eines Handwerks.
Sie meinen, ein Künstler muss zuerst einmal Handwerker sein, um seine Kunst darstellen zu können?
Selbstverständlich. Ich weiß beim Zeichnen ganz genau wann, wo und wie ich auf welchem Papier eine Linie ziehen muss.
Beuys hat einmal gesagt „Jeder Mensch ist ein Künstler. Stimmen Sie dem zu?
Dem kann ich so nicht zustimmen. Ein Künstler braucht verschiedene Voraussetzungen. Zum einen eine andere Sichtweise auf die Dinge, die ihn und natürlich auch alle anderen Menschen umgeben, zum anderen ein Talent. Er muss erkennen, in welchem Bereich der bildenden Kunst es liegt. Und dann braucht er die Bereitschaft hart zu arbeiten. 2 % sind Talent, der Rest harte Arbeit. Wenn alle Menschen Künstler wären, gäbe es nur Künstler in dieser Welt.
Bezeichnen Sie sich als Künstlerin?
Ich bin Künstlerin durch und durch; es ist für mich nur schwer vorstellbar, ohne meine Kunst zu leben.
Warum haben Sie sich gerade dem Zeichnen verschrieben?
Ich habe mal gesagt „ich zeichne also bin ich. Zeichnen ist die Technik, die zu mir gehört, in der ich mich am besten ausdrücken kann.
Sie sind Kalligraphin und geben Kurse in „Der Kunst des schönen Schreibens“ als auch Zeichnerin. Können Sie Ihr Arbeitsfeld beschreiben?
Ich bin und bleibe Zeichnerin. Das Zeichnen hat für mich weit, weit vor der Kalligraphie die absolute Priorität. Die Kalligraphie ist für mich eine Ergänzung. Mein Arbeitsfeld ist damit also einfach beschrieben. Zeichnen, zeichnen, zeichnen.
Ihre Zeichnungen erinnern an eine fernöstliche, japanische Darstellungsweise. Vielen wohnt ein morbides Element inne. Ist Ihr Thema die Vergänglichkeit des Lebens in seinen Formen? Zeigt sich für Sie Lebendigkeit in der Vergänglichkeit?
Ich sehe meine Arbeiten nicht in “japanischer“ Darstellungsweise. Das einzig japanische ist der Stempel in der Signatur, der aber hier allein einen grafischen, gestalterischen Aspekt hat. Die Vergänglichkeit in meinen Arbeiten hat einen ganz wesentlichen Anspruch. Ich habe dazu einmal folgenden Text geschrieben: Kombinationen und Kompositionen von Vergangenem und Vergänglichem. Blumen und Früchte, die vertrocknen, sich täglich verändern und damit zum Leben verdammt sind.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Landläufig stellt man sich einen Künstler eher als Bohémien vor. Stimmt das?
Ich glaube das Leben des Künstlers als Bohémien ist lange vorbei. Vor allem bei denen, die erfolgreich sein und von ihrer Arbeit finanziell gesehen leben wollen. Mein Arbeitsalltag hat in kreativen Phasen eigentlich immer 10--14 Stunden. Kunst ist in der Regel intensive, harte Arbeit. Ich stehe morgens um sechs Uhr auf. Allerdings beginne ich meine kreativen Arbeiten erst ab 12 Uhr. Am liebsten arbeite ich in der Nacht. Dann ist die Welt ruhig und still.
Bestehen Ihre Arbeiten auch aus Auftragsarbeiten oder realisieren Sie nur Projekte und Ideen, die Ihnen am Herzen liegen?
Zum Glück habe ich zum Thema „Auftragsarbeiten gut zu tun. Das erfordert den Spagat zwischen Auftrag und der eigenen kreativen Arbeit. In der Regel gibt es aber im Jahr zwei bis drei Veranstaltungen in meinem Atelier – eine Kombination großer und kleiner Arbeiten – den KunstWerkStücken. Diesen Begriff habe ich 2000 mit meiner Beraterin entwickelt, mit dem Gedanken, kleine Kunstwerke, Zeichnungen für Jeden zu schaffen. Kunst sollte für alle Menschen erschwinglich sein, nicht nur für einen bestimmten Teil der Gesellschaft.
Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Auftragsarbeiten?
In der Regel realisiere ich Projekte für größere Unternehmen, Verlage. Es kommen aber auch Menschen zu mir, die eine Zeichnung für sich oder andere in Auftrag geben. Das setzt voraus, dass ich den Menschen gut zuhöre, dass ich mich in sie einfühlen kann, dass ich die Hintergründe verstehe, die sie zu diesem Auftrag veranlasst haben.
Auf welche Projekte blicken Sie zurück, welche haben Ihnen besonders viel Freude gemacht?
Am meisten Freude gemacht hat mir sicherlich die Eröffnung meines Ateliers 2002. Was meine kreative Arbeit angeht, mache ich absolut nur Projekte, hinter denen ich hundertprozentig stehe aus tiefer, innerer Überzeugung. Insofern würde ich keinem Projekt den Vorzug geben. Die Frage ergibt sich für mich nicht.
Auf welche neuen Projekte und Arbeiten können wir uns freuen?
Zur Zeit arbeite ich mit großer Freude an einem neuen Projekt. Am 9. November 2008 erscheint mein erstes Buch. „Paradiesisch … ein kulinarisches Reisebuch“. Mit Zitaten der Weltliteratur wie z.B. von Heine, Fontane, Goethe, Proust, meinen Zeichnungen und eigens von mir kreierten Rezepten. Das bibliophile Buch erscheint in einer limitierten Auflage von 100 Exemplaren, signiert und nummeriert. Für nächstes Jahr ist dann eine große Landschaftsausstellung mit dem Titel „Dahinter wohnt die Zweisamkeit geplant.
Zu Fuß durch Flingern
Klar, Einkaufsketten sucht man in Flingern vergeblich. Globaler Einheitsbrei ist nicht Flingerns Ding. Individualität, Persönlichkeit und ein Angebot mit dem gewissen Kick sind Flingerns Pfunde, mit denen der Stadtteil wuchert in einer Zeit, in der eine Geschäftsstraße in den Innenstädten der anderen europa- ja weltweit gleicht.
„Hier ist es ja wie im Urlaub.“ Darin waren sich die Besucher von Flingern at night einig. Und es schwang eine Menge Überraschung mit. Natürlich. Die laue Frühlingsnacht, Tausende gut gelaunte Besucher und kommunikative Geschäftsleute, die ihre Läden bis tief in die Nacht geöffnet hielten und ihre Gäste auf das eine oder andere Glas Wein einluden, sorgten für die richtige Urlaubsstimmung und rückten den Stadtteil ins rechte Licht und in den Fokus der Öffentlichkeit. Die hohe Geschäftsdichte in Flingern Nord, die Inhaber geführten kleinen Läden, die Vielfalt der Angebote und der Mix aus Handwerk, Handel, Ateliers und Gastronomie luden zum Bummeln ein. Klar, Einkaufsketten sucht man in Flingern vergeblich. Globaler Einheitsbrei ist nicht Flingerns Ding. Individualität, Persönlichkeit und ein Angebot mit dem gewissen Kick sind Flingerns Pfunde, mit denen der Stadtteil wuchert in einer Zeit, in der eine Geschäftsstraße in den Innenstädten der anderen europa- ja weltweit gleicht. Corporate Identity, das so häufig benutzte Zauberwort, steigert zwar den Wiedererkennungswert, führt aber auch in die Austauschbarkeit. Corporate Identity findet man in Flingern nicht und das brachte den Stadtteil nach seiner Wiederentdeckung rasch in den Ruf, ein Szeneviertel, eben anders zu sein. Hier geht’s ja zu wie im Taubenschlag. Ein Kommen und Gehen. Es bleibt kaum Zeit, sich an etwas oder jemanden zu gewöhnen.
Früher war alles anders.“,klagt eine alte Flingeranerin. Ja, früher, früher als die Birkenstraße noch die Kö von Flingern war, da lebten die Menschen jahrzehntelang in ihrem Stadtteil, verließen ihn häufig erst mit dem Tod. Früher flanierte man über die Birkenstraße an Goldschmieden, Mode-, Möbel- und Accessoiregeschäften, Kunstgewerbe und Delikatessengeschäften vorbei. Dann der Einbruch in den 80er Jahren. Die jungen Leute zogen in andere Viertel oder aufs Land. Altbauwohnungen wurden für Neubauten eingetauscht. Steigende Mobilität und verändertes Kaufverhalten zog die Menschen in die Innenstadt, wo man auf die preisgünstigeren Kaufhäuser oder die angesagten In-Label zurückgreifen konnte. Das Geld wanderte ab und mit ihm die Geschäfte, die in Flingern keine Zukunft mehr sahen. Das Viertel dümpelte vor sich hin, Ladenflächen lagen brach, die Mieten stagnierten auf niedrigem Niveau. Und es kam, wie es kommen musste, wenn ein Stadtteil im scheinbaren Moment der Ruhe seine Metamorphose vollzieht. Angelockt von den niedrigen Mieten ließen sich Künstler, Kreative, Lebenskünstler und Intellektuelle nieder, um hier zu experimentieren und ihre Ideen umzusetzen. Es entstanden Ateliers, Galerien und Geschäfte fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit. Flingern schlief noch immer seinen Dornröschenschlaf. Nicht jedes Experiment verlief erfolgreich, nicht jede Geschäftsidee konnte langfristig umgesetzt werden. Häufig fehlte das Geld im Hintergrund, um die Durststrecke nach einer Eröffnung zu überbrücken.
Und plötzlich begann der Run auf die Altbauwohnungen in Flingern. Anfang 2000 der gegenläufige Trend. Jetzt wurde es wieder chic, Wohnungen mit Herz und Seele zu bewohnen, Individualität zu zeigen. Hohe Decken, Stuck, Parkett, große Wohnküchen. Flingern mit seinem großen Altbaubestand, den günstigen Mieten, der nahen Anbindung an Autobahnen und Schnellstraßen, Flughafen und Bahnhof, die unmittelbare Nähe zur Innenstadt war ideal für viel beschäftigte Single und junge Paare. Wer Flingern besucht, sollte sein Auto zu Hause lassen, denn Kneipen, Bars, Restaurants und Cafés verlocken zur Einkehr. In den letzten drei Jahren hat sich eine Gastroszene etabliert, die von der Eck- und Sportkneipe über das Szenecafé bis hin zur hippen Cocktailbar reicht. Von welcher Seite aus den Stadtteil erkunden bleibt gleich. Flingern ist ein Viertel der kurzen Wege. Vielleicht als Ausgangspunkt den Hermannplatz nehmen, der das Herzstück Flingerns ist. Nach monatelangen Umbauarbeiten in diesem Jahr ist hier ein Platz entstanden, der von allen Seiten gut einsehbar ist und von den Kindern Flingerns mitgestaltet wurde. Sie haben die lange Betonschlange, die Begrenzung des Sandkastens, mit Mosaiken verziert. Der eine Teil des Platzes ist Spielplatz und Treffpunkt junger Familien, der andere Teil Fläche für den samstäglichen Markt.
Die Ackerstraße ist Flingerns heute wohl bekannteste Straße. Neben Kunstgalerien, Ateliers, Modegeschäften und Handwerksbetrieben liegen hier zahlreiche Restaurants, Bars und Cafés. Vor zwei Monaten eröffnet hat die Galerie Viktor Grray auf der Ackerstraße 108, die schwerpunktmäßig
zeitgenössische Kunst von Künstler aus Russland, Weißrussland und den umliegenden Ländern präsentiert. Schräg gegenüber die Galerie RUZICSKA/// WEISS, mit ebenfalls zeitgenössische Kunst. Neben Einzelausstellungen werden hier Gruppenausstellungen gezeigt, in denen die Unterschiede einzelner Positionen exemplarisch vorgestellt werden. Im Hinterhof an der Ackerstraße 144 findet man nicht nur Flingerns Stadtteiltheater, das TheaterFlin, sondern auch die Trinkhalle, Flingerns Wohnzimmerbar im Retrostil der 70er Jahre mit einem wechselnden Programm ab donnerstags. Auf demselben Hof, das Atelier der Künstlerin Felicitas Lensing-Hebben und die Werkstatt von Eva Heselhaus, die Tische, Stühle, Sessel, Schränke und Regale baut. Ihr Thema das Meer. Ihre Möbel erinnern daran. Neu dazu gekommen auf der Ackerstraße 156 St. Pauli Blond. Michael Geihe, unter dessen Händen nicht nur die Kandidatinnen von Heidi Klums Show „Germany`s next Topmodel“ ein neues Hairstyling bekommen, hat hier zusammen mit dem ehemaligen Model Christian Sopke aus dem ehemaligen second hand Laden einen neuen Treffpunkt geschaffen. Im Souterrain und Erdgeschoss gibt es handgemachte Wellness-Produkte, Designer- Schmuck, Schallplattenraritäten, Outfits von Dutch Delight und ein kleines Café mit Fingerfood. Etwas weiter, Ecke Hermannstraße, das Maurice, eine Cocktailbar im 60er-Jahre-Stil, in dem man auch gepflegt frühstücken kann. Der wohl schönste Teil der Ackerstraße liegt zwischen Hermann- und Hoffeldstraße. Über die Dorotheenstraße hinweg lässt sich das savoir vivre im kleinen, intimen, provencialischen Restaurant Bon soir Maurice pflegen. Gleich daneben der Modeladen butik, in dem Fatima Hollstein Mode der Label HOSS Intropia, by Groth, Cést Tout und Filippa K anbietet. Gegenüber liegt direkt neben dem Atelier von Martina Etienne Heike Siemes Dessous, Flingerns einziger Dessousladen mit seinen klassisch zeitlosen, hochwertigen Kollektionen. Neu dazu gekommen ist Suburbia mit einer großen Auswahl an Streetwear.
Der idyllische Teil der Hermannstraße liegt zwischen Linden- und Ackerstraße. Alter Baumbestand, architektonisch wunderschöne alte Stadthäuser. Hier hat die Modedesignerin Ulla Meiners ihr Geschäft, in dem sie unter dem Label URSBOB ihre aktuelle Mode zeigt. Gleich daneben das atelier für raumgestaltung Roth und Misfi t, eine Johannisburg – Flingern – Connection. In ihrem Laden bietet Lena Jansen Mode und Accessoires von zwei Kontinenten an. Schräg gegenüber blattgold, eine Ateliergemeinschaft von Buchbindermeister Adolphs und Goldschmiedin Beyermann.
Ateliergemeinschaften findet man häufig in Flingern. Sie verfielfältigen das Angebot und halten die Kosten für den Einzelnen klein.
Schwer im Kommen ist die Hoffeldstraße. Flingerns legendäre Suppenküche ist hier ebenso beheimatet wie la terra auf der Ecke Ackerstraße/ Hoffeldstraße, ein ungewöhnlicher Blumenladen mit den wohl witzigsten und schrägsten Accessoires in ganz Düsseldorf. Direkt gegenüber das Perlenreich mit seiner unerschöpflichen Auswahl an Perlen, Schmuck, und Edelsteinen. Die Modeagentur LiMo bietet nicht nur Damenmode und Accessoires an, sondern zeigt auch Grafiken und Malerei in wechselnden Ausstellungen.
Das ist typisch für Flingern. Viele Läden geben Künstlern und Designern die Möglichkeit, ihre Objekte in den Geschäftsräumen auszustellen. „Zur Raumgestaltung gehören nicht nur Stoffe, Muster und Farben, sondern auch Bilder und Skulpturen.“ Karin Mundigl vom gleichnamigen Raumausstattungsgeschäft auf der Hoffeldstraße stellt die Ausstellungsobjekte deshalb immer in den Gesamtzusammenhang ihrer gezeigten Stoffe und Polster. Das Perlenreich wiederum arbeitet mit archefilo zusammen, die mit ihren Möbelentwürfen und Accessoires Wohnräume in märchenhaft anmutende Kunsträume verwandeln.
Zwischen Ackerstraße und Grafenberger Allee liegen die Geschäfte im Souterrain. Hier haben eine Malerin, Mode-, Stoff- und Schmuckdesigner ihre Ateliers. Susanne Mayer kreiert mobilen, variablen Schmuck aus Edelmetallen, Stahl oder Tantal, der von seiner Trägerin immer wieder neu zusammengesetzt werden kann. Interessante Schmuckateliers, jedes mit seiner ganz eigenen Handschrift, findet man auf vielen Straßen in Flingern.
Gerade erst eröffnet haben Aldenhoff Jewellers ihre Dependance auf der Birkenstraße 96. Galerie Elb von Heike Elferink und Jenna Brommer liegt direkt neben der Montessori Hauptschule an der Lindenstraße 142 und Goldschmiedin und Schmuckdesignerin Maria Hahlen hat ihr Atelier auf der Dorotheenstraße 10. Gleich um die Ecke, auf der Grafenberger Allee Heaven 7 und ModeBusStop. Heaven 7 ist ein Friseursalon der besonderen Art. Muss man hingehen. Am besten samstags, wenn der Laden bis auf den letzten Raum voll ist, das gutgelaunte Team die Köpfe seiner Kunden unter die Hände nimmt, die Musik spielt und niemand genau sagen kann, ob er nun Zuschauer oder Akteur auf einer Bühne ist. Gleich daneben ModeBusStop, in dem Heidi Sellner flippige Mode und Accessoires zu unschlagbaren Preisen anbietet. Etwas weiter, Ecke Beethovenstraße, Le Lina, ein kleines Geschäft, in dem es Möbel, Wohnaccessoires und Geschenke gibt. Hier hat Bärbel Biesel ihr Credo verwirklicht: Wohnen hat mit Wärme, Geborgenheit und Lebensqualität zu tun.
Auf der Lindenstraße, einer ebenso langen Straße wie die Ackerstraße, liegen Geschäfte und Galerien zwar weiter auseinander, dafür findet man zwischen Lieblingsstücke an einem Ende Ecke Bruchstraße und La Vinesse am anderen Ende gegenüber der Mendelsohnstraße interessante, Denkmal geschützte Bauten wie die ehemalige Volksschule an der Lindenstraße 126 mit ihren mythisch anmutenden Reliefarbeiten in der Fassade oder das alte Wegekreuz gegenüber dem Lindenplätzchen Ecke Hoffeldstraße. In Lieblingsstücke gibt‘s second hand hippe Designer Outfits. Gegenüber hat Nina Reich gerade ihren Laden Möbel & Dekoration eröffnet. Neben dem alten Wegekreuz bedruckt druckbar T’shirts ganz individuell und vis á vis der Buchhandlung Regenbogen hat sich die Galerie Schönewald und Beuse in der ehemaligen Werkhalle der Hydraulik Hilfrich niedergelassen. Ecke Wetterstraße, auch gerade neu eröffnet, liegt das Wiener Kaffeehaus Alma. Eine Spezialität des Hause: almas selbstgebackenes Honig-Dinkelbrot mit Ziegenfrischkäse und selbstgemachter Marmelade. Bevor man Ecke Ackerstraße in den letzten Teil der Lindenstraße abbiegt einen kurzen Abstecher auf die Beethovenstraße einschieben. Hinter dem Café Beethoven, einer Institution in Flingern, liegt etwas versteckt das kleine Geschäft Damenwahl. Sein Angebot: Kleidung, Accessoires, Schmuck, Keramiken, Lampen, alles handgearbeitete Einzelstücke. Dann zurück auf die Lindenstraße an der die Weinhandlung LaVinesse in einem alten Jugendstilhaus liegt. Hier kann man nicht nur aus einem großen Weinangebot seinen Favoriten wählen, sondern sich auch auf einen Schoppen treffen oder die Weinhandlung einschließlich des kleinen romantischen Gartens für private Feiern nutzen. Bis heute ist der Stadtteil in Bewegung geblieben. Was früher die Birkenstraße für Flingern war, sind heute Acker-, Hermann-, Hoffeld- und Lindenstraße geworden. Alt eingesessenes Handwerk, Handel, kleine Mode- und Schmuckateliers, Galerien und Gastronomie geben dem Stadtteil Spannung. Die schmalen, Baum bestandenen Straßen und die restaurierten Stadthäuser aus der Jahrhundertwende geben ihm Charme und Atmosphäre. Die Menschen, die hier leben und arbeiten kommunikatives Flair.
FlingernMagazin No.1

Tatort Flingern
Die zehnjährige Michelle steigt nach Schulschluss in Flingern in das Auto eines unbekannten Mannes und verschwindet spurlos. Die sofort eingeleitete Suchaktion der Polizei läuft ins Leere. Es gibt Verdachtsmomente. Der Täter wird im Kinderpornomilieu vermutet. Mehr...
Zu Fuß durch Flingern
Klar, Einkaufsketten sucht man in Flingern vergeblich. Globaler Einheitsbrei ist nicht Flingerns Ding. Individualität, Persönlichkeit und ein Angebot mit dem gewissen Kick sind Flingerns Pfunde, mit denen der Stadtteil wuchert in einer Zeit, in der eine Geschäftsstraße in den Innenstädten der anderen europa- ja weltweit gleicht. Mehr...
Adolphs, ein Synonym traditioneller Buchbindekunst
Geht man von der Birkenstraße aus über den idyllischen Teil der Hermannstraße zwischen Linden- und Ackerstraße, so sieht man schräg gegenüber dem Haus mit den Arkaden das kleine aber feine Geschäft „blattgold“, das in einer Werkstattgemeinschaft von der Goldschmiedin Beyermann und dem Buchbinder Adolphs betrieben wird. Mehr...
„Ich zeichne also bin ich“
Martina Etienne ist im Ruhrgebiet aufgewachsen, hatan der Folkwangschule bei Professor Näscher Design studiert und neben ihrer künstlerischen Tatigkeit in der Werbung gearbeitet. Seit 1989 lebt sie in Flingern, seit 2002 hat sie ihr Atelier auf der Ackerstraße 201. Mehr...
Düsseldorfs letzte Hexe lebt in Flingern
Königsallee 16.00 Uhr. Da ist sie wieder Düsseldorfs Hexe, Angela Spook. Ganz in Schwarz mit Hexenhut, Besen und einem Raben auf der Schulter steht sie oder dreht sich vor einem neugierig staunenden Publikum. Ihr Gesicht mit unbewegtem Gesichtsausdruck. Sie scheint so nah und doch so fern. Nicht jeder bleibt stehen, auch wenn sie die Blicke aller Passanten auf sich zieht. Wer ist sie, eine der letzten Gaukler auf Düsseldorfs Straßen? Mehr...
Der Mann mit Hut
Wenn man Flingeraner fragt, ob sie Otto Kunze kennen, dann werden sicherlich nicht viele mit Ja antworten. Wenn man sie aber fragt, ob sie das Haus mit der roten oder blauen oder grünen Tür kennen, dann können die meisten dem Fragenden den Weg weisen, ohne zu wissen, dass diese Türen und die dazugehörenden Häuser untrennbar mit Otto Kunze verbunden sind. Mehr...





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vor 1 Jahr 6 Wochen